Mit „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ ist Regisseur und Drehbuchautor Zach Cregger ein stattlicher Überraschungserfolg gelungen: Schon sein vorheriger Horrorfilm „Barbarian“ war mit einem Einspiel von 45,4 Millionen Dollar (bei einem Budget, das sich auf ein Zehntel dessen belief) ein Hit. Doch vergangenen Sommer katapultierte sich „Weapons“ auf ein globales Ergebnis von mehr als 269 Millionen Dollar!
Neben dem zahlenden Publikum war auch die Filmpresse angetan: Der Löwenanteil der „Weapons“-Kritiken fiel positiv aus, oft waren sie sogar euphorisch! FILMSTARTS-Chefkritiker Christoph Petersen etwa verteilte hervorragende 4,5 Sterne und bezeichnete den außergewöhnlichen Horror-Hit als „kompromisslos episch“. Jetzt gibt es den Film im Streaming-Abo: Ab sofort ist „Weapons“ bei HBO Max abrufbar. Den neuen Streamingdienst könnt ihr einzeln direkt beim Anbieter und als als Prime Video Channel* abonnieren. Außerdem ist „Weapons“ im Heimkino erhältlich:
Darum geht es in "Weapons"
Die einst beschauliche US-Kleinstadt Maybrook ist aufgewühlt: 17 Schulkinder sind um 2.17 Uhr aus ihren Häusern gelaufen und seither spurlos verschwunden. Alle Vermissten stammen aus der Klasse der Grundschullehrerin Justine Gandy (Julia Garner), die am Morgen nach diesem Vorfall einzig Alex Lilly (Cary Christopher) auf seinem gewohnten Platz vorfand.
Wütende Eltern wie Bauunternehmer Archer Graff (Josh Brolin) machen sie verantwortlich, was die Lehrerin in ein emotionales Tief drängt – inklusive Affäre mit dem Polizisten Paul (Alden Ehrenreich). Derweil steht Schulleiter Andrew (Benedict Wong) zwischen den Stühlen: Er will die aufgebrachten Eltern beruhigen und Justine aus der Schusslinie nehmen – ein unmögliches Dilemma...
Ein Vorfall, viele Erfahrungen
Für den Verfasser dieses Artikels war „Weapons“ eine qualitative Überraschung: Ich konnte mit Creggers „Barbarian“ wenig anfangen. Nicht zuletzt, weil mir die intendierte Verschmelzung aus alltäglichem Unbehagen, überhöhtem Horror und situativer Komik missfiel. Offenbar macht Übung aber wirklich den Meister, denn bei seinem nächsten Anlauf hat mich Cregger damit vollauf überzeugt: „Weapons“ wird aus mehreren Perspektiven erzählt und zeigt noch dazu die sich das Rampenlicht teilenden Figuren bei einer emotionalen Irrfahrt.
Konsequenterweise ist die Stimmung in „Weapons“ instabil – was Cregger allerdings kontrolliert, geradewegs perfide einsetzt, um seinem Publikum die Möglichkeit zu nehmen, Schutzmechanismen zu entwickeln: Zwischendurch mutet „Weapons“ wie ein konventioneller Popcorn-Schocker an – etwa, wenn die von weiten Teilen der Stadt verachtete Justine dubiose Geräusche vernimmt, nur um nach ersehnter Rückkehr der Ruhe von einem plötzlichen, grotesken Anblick heimgesucht zu werden. Während Archer verzweifelt alle erdenklichen Indizien sammelt und über ihnen brütet, werden hingegen Erinnerungen an metaphorische Horror-Favoriten wach:
Allegorisch aufgeladene, unter anderem an die Nachwehen eines Schul-Amoklaufs erinnernde Bilder und diffuse Mysterien rücken die Passage stärker in die Richtung von „Hereditary“ und „Get Out“. Und wenn Paul einen Verdächtigen jagt, wechseln der Duktus der Dialoge und Creggers Inszenierung nahtlos von Kriminalthriller zu markiger Cop-Komödie – so dass man glatt Gefahr läuft, einen pointierten Impuls der Selbstjustiz zu bejubeln, um anschließend von der rapide hereinbrechenden Vernunft und Scham den Boden unter den Füßen weggezogen zu bekommen!
"Weapons" ist die albtraumhaft-beklommene Antwort auf "Magnolia"
Cregger gelingt es, diese Schwankungen, inklusive Abstecher gen Galgenhumor, in der Grundidee des Films zu verankern: Der unerklärliche, tragische Vorfall in Maybrook hat offene Fragen und klaffende, seelische Wunden hinterlassen. Die Figuren reagieren darauf tagesformabhängig und verschieden voneinander. Diese beklemmende Erfahrung variierender Wahrnehmungen, Bewältigungsstrategien und Folgeängste ist sowohl thematisch von Belang als auch ein Kniff, um den Film (den Cregger laut einem Interview mit Rolling Stone gemacht hat, um den Unfalltod eines Freundes zu verarbeiten) emotional zu erden:
Dass ein und dasselbe Erlebnis bei mehreren Menschen ganz verschiedene Dinge auslöst, ist eine Beobachtung, die wohl alle Zuschauer*innen (zumindest eines entsprechenden Alters) schon gemacht haben. Dass sich aus kleinen, individuellen Geschichten ein großes Faszinosum zusammensetzt, ist darüber hinaus eine filmhistorische Parallele zu einem der prestigeträchtigsten Werke mit Tom Cruise!
Paul Thomas Andersons „Magnolia“ diente als Inspirationsquelle, wie Cregger wiederholt in Interviews verriet. Gegenüber Entertainment Weekly etwa erörterte er: „Ich liebe diesen Film. Ich liebe seine mutigen Ausmaße. Er ermutigte mich, beim Schreiben nach den Sternen zu greifen und ein Epos zu machen.“ Weiter betonte Cregger, dass er sich durch „Magnolia“ darin bestätigt sah, eine melancholische Erzählung mit humorvollen Momenten anzustreben, und die Figuren zwar narrativ zu verbinden, sie jedoch zugleich zu isolieren, indem er sie in einzelne (Wahrnehmungs-)Welten packt.
Während „Magnolia“ aber selbst mehr als ein Vierteljahrhundert weiterhin für sich steht, existieren schon jetzt Pläne, „Weapons“ auszubauen. Mehr über die Zukunftspläne rund um den Horror-Hit erfahrt ihr im folgenden Artikel:
Nach DEM Horror-Hype des Jahres: "Weapons"-Regisseur bestätigt Prequel – diese Figur soll einen eigenen Film bekommenDies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.