Ist Christopher Nolans "Inception" geklaut? Jetzt könnt ihr euch bei Netflix selbst überzeugen
Stefan Geisler
Stefan Geisler
-Redakteur
Beim Streaming-Giganten mit dem roten "N" gibt es immer eine ganze Menge zu entdecken – und wer lange genug sucht, findet auch einige echte Perlen!

„Inception“ ist ohne Frage ein Sci-Fi-Meisterwerk, das gerade in Sachen Tricktechnik neue Maßstäbe gesetzt hat. Doch einige Szenen weisen eine verblüffende Ähnlichkeit mit Satoshi Kons „Paprika“ auf.

Satoshi Kon gehört zu den größten Animationküstlern Japans. Zwar hat der Drehbuchautor und Regisseur zeit seines Lebens nur vier Langspielfilme veröffentlicht, von denen jeder aber auf seine Weise ein absoluter Volltreffer war. „Perfect Blue“ ist ein psychedelischer Stalker-Thriller, „Millenium Actress“ beeindruckt durch innovativ-verschachtelte Erzähltechniken und „Tokyo Godfathers“ ist ein wunderschönes modernes Weihnachtsmärchen, das trotz aller Emotionalität nie ins Kitschige abrutscht.

Und dann wäre da noch Paprika“: Ein Anime-Mindfuck, der durch kreative wie bildgewaltige Sequenzen beeindruckt, einen fantastischen, durchgeknallten Ohrwurm-Score besitzt und die Zuschauer*innen auf ein Abenteuer ins Reich des Unterbewussten mitnimmt. Gerade Christopher-Nolan-Fans sollten diesen Film unbedingt kennen, denn immer wieder werden Unterstellungen laut, dass der Meisterregisseur gewisse Szenen aus dem Anime in „Inception“ dreist kopiert hätte. Wer sich selbst eine Meinung dazu bilden möchte, hat jetzt auf Netflix die ideale Gelegenheit dazu, denn der Streaming-Primus hat „Paprika“ nun in sein Abo aufgenommen.

Und darum geht es in "Paprika"

Für die Psychotherapeuten um die Wissenschaftlerin Dr. Chiba Atsuko (Megumi Hayashibara) stellt der DC Mini eine bahnbrechende Innovation dar. Diese Erfindung, die sich noch in der Erprobungsphase befindet, hat die Arbeitsweise der Therapeuten grundlegend verändert. Sie ermöglicht es ihnen, die Träume ihrer Patienten aufzuzeichnen und Bild für Bild zu analysieren. Dadurch können sie präzise Analysen vornehmen und tiefer gehenden Problemen auf den Grund gehen.

In den falschen Händen könnte diese Innovation mächtigen Schaden anrichten und für böswillige Manipulationen missbraucht werden, indem man das Gehirn einzelner Personen umprogrammiert. Und tatsächlich wird der DC Mini schon bald gestohlen. Dieses Sicherheitsrisiko muss dringend eingedämmt werden. Daher entscheidet sich Atsuko, in die Traumwelt einzutauchen, um die Pläne der Diebe zu durchkreuzen. Als Paprika navigiert sie durch eine bizarre und gefährliche Welt, in der ihre Gegner Traumfiguren als Waffen einsetzen können.

Hat "Inception" bei "Paprika" geklaut?

Schon länger hält sich die Behauptung, dass sich Christopher Nolan für sein Sci-Fi-Meisterwerk „Inception“ stark bei „Paprika“ bedient hat. Und tatsächlich gibt es eine ganze Menge Überstimmungen – und diese beginnen bereits bei der Prämisse des Films. Schließlich tauchen die Protagonist*innen in beiden Filmen mittels futuristischer Maschinen in die Träume und das Unterbewusstsein der Menschen ein – obwohl es im Anime von Satoshi Kon doch deutlich wilder und farbenfroher zugeht.

Besonders auffällig wird es jedoch, wenn man die Filme direkt gegenüberstellt: Erinnert ihr euch noch an jenen Moment, in dem Elliot Page einen unendlichen Raum mittels zweier Spiegel erschafft und diesen dann mit einer Berührung zusammenbrechen lässt? Oder als Joseph Gordon-Levitt einen Kampf in einem drehenden Hotelflur führt und sich dabei von Wand zu Wand prügelt? Diese beiden prägnanten Szenen finden sich in sehr ähnlicher Form auch in „Paprika“. Ein passendes Video haben wir euch hier noch einmal eingebunden:

Auch wenn es Christopher Nolan nie zugegeben hat – die Ähnlichkeiten von „Inception“ und „Paprika“ sind definitiv vorhanden. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Nolan bei der Erarbeitung seines Films Inspiration bei Satoshi Kons Anime-Wahnsinn gefunden hat. Zu behaupten, dass sein Werk eine Kopie des starken Mindfuck-Abenteuers wäre, geht zumindest nach Ansicht des Autors dieses Artikels jedoch deutlich zu weit. Dafür sind beide Filme einfach zu unterschiedlich und eigenständig. Zudem werden Künstler*innen immer auch von anderen kreativen Geistern beeinflusst, das ist ein ganz natürlicher Prozess. Wie erfolgreich und originell kopiert werden kann, lässt sich beispielsweise bei Quentin Tarantino sehen, der seine gesamte Karriere darauf aufgebaut hat.

Apropos Quentin Tarantino: Dieser hat während der Festspiele in Cannes einen Film sehr frenetisch abgefeiert. Um welches Werk es sich dabei handelt und warum ihn viele Menschen gar nicht auf der Leinwand sehen werden können, erfahrt ihr hier:

Quentin Tarantino feiert diesen neuen Film, doch viele Kino-Fans werden ihn nie auf der großen Leinwand zu sehen bekommen
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