"Es war eine Katastrophe": So zerstörte Julia Roberts eine ihrer größten Oscar-Chancen
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Vor rund 35 Jahren suchte Julia Roberts nach ihrem perfekten Nachfolgeprojekt für „Pretty Woman“ – und fand es in einem später mit sieben Oscars gekrönten Kinohit. Doch die Schauspielerin tat alles, damit aus dem Film nichts wird...

1999 hatten u.a. die Weltkriegs-Epen „Der Soldat James Ryan“ und „Der schmale Grat“ eine Chance auf den Oscar als Bester Film – gewonnen hat ihn aber schließlich „Shakespeare in Love“, der sich um die fiktive Liebesaffäre zwischen dem jungen William Shakespeare und der adligen Viola de Lesseps dreht, die ihn zu seinem wohl berühmtesten Werk inspiriert: „Romeo & Julia“. Dazu gab es weitere sechs Statuen, darunter für Hauptdarstellerin Gwyneth Paltrow und Nebendarstellerin Judi Dench.

Shakespeare in Love
Shakespeare in Love
Starttermin 4. März 1999 | 2 Std. 03 Min.
Von John Madden
Mit Gwyneth Paltrow, Joseph Fiennes, Colin Firth
Pressekritiken
4,5
User-Wertung
3,5
Filmstarts
4,5

Tatsächlich befand sich die „amüsante, kurzweilige, vom Spaß, den die Schauspieler gehabt haben müssen, einem exzellenten Drehbuch und viel Energie bestimmte romantische […] Komödie“ (Zitat aus der offiziellen 4,5-Sterne-Kritik auf FILMSTARTS) aber bereits Anfang der 1990er-Jahre in der Entwicklung. Statt John Madden wollte dabei Edward Zwick („Glory“, „Last Samurai“) auf dem Regiestuhl Platz nehmen – und für die weibliche Hauptrolle war Julia Roberts vorgesehen, die als „Pretty Woman“ gerade ihren absoluten Durchbruch hinter sich hatte. In den frühen 2000er-Jahren sollte die heute 57-Jährige für das Justizdrama „Erin Brockovich“ ihren ersten (und bisher einzigen) Oscar gewinnen...

...die Wahrscheinlichkeit, dass sie diesen Triumph schon ein paar Jahre früher hätte erleben können, wenn sie in „Shakespeare In Love“ mitgespielt hätte, ist aber ziemlich hoch! Wie Edward Zwick in einem Interview mit Air Mail enthüllte, schlug Roberts diese Gelegenheit aber in den Wind.

Julia Roberts wollte erst Daniel Day-Lewis als Co-Star ...

Zunächst beharrte die „Notting Hill“-Mimin darauf, dass Daniel Day-Lewis („Lincoln“) den Part des William Shakespeare übernimmt. Doch der hatte bereits für „Im Namen des Vaters“ zugesagt und war deshalb nicht zu haben. „Ich kriege ihn dazu“, soll Roberts gesagt haben – sie schickte ihm sogar zwei Dutzend Rosen, versehen mit der Nachricht: „Sei mein Romeo.“

Bekanntlich hat alles Bitten und Flehen nicht geholfen. Dennoch soll die Schauspielerin – nachdem sie nicht wie verabredet zur ersten Probe erschienen war – behauptet haben, dass Day-Lewis den Film machen werde. Zwick solle keine weiteren Schauspieler mehr zu Castings einladen. Der Regisseur war aus guten Gründen skeptisch und wendete sich direkt an den mittlerweile dreifachen Oscar-Preisträger (u.a. „There Will Be Blood“) – der einmal mehr bekräftigte, dass er bereits in ein anderes Projekt involviert sei und deshalb nicht verfügbar wäre.

... und schlug danach Ralph Fiennes und Hugh Grant in die Flucht!

Roberts gab daraufhin gezwungenermaßen klein bei und erschien widerwillig zu einem ersten Screentest mit einem anderen möglichen Shakespeare-Darsteller – bei dem es sich um niemand Geringeren als Ralph Fiennes handelte, dem älteren Brüder von Joseph Fiennes, der die Rolle schlussendlich an der Seite von Gwyneth Paltrow spielen sollte! Roberts soll den späteren „Konklave“-Star jedoch kaum eines Blickes gewürdigt haben. Zwick dazu: „Ich will nicht behaupten, dass sie den Test absichtlich sabotiert hat, aber es war trotzdem eine Katastrophe.“

Roberts soll Fiennes „nicht witzig“ genug gefunden haben, doch auch Schauspieler wie Hugh Grant, Colin Firth oder Sean Bean gefielen der „Ocean's Eleven“-Darstellerin nicht. „Der eine war zu steif, der andere nicht romantisch genug“, so Zwick – der sich schließlich für Paul McGann („Withnail & I“) entschied.

Doch auch den finalen Probelauf einige Wochen später soll Roberts blockiert haben. „Sie hatte kein bisschen an ihrem Akzent gearbeitet“, erinnert sich der Filmemacher. Nach diesem für alle Beteiligten peinlichen Moment verließ die Schauspielerin das Set, das in Großbritannien bereits errichtet worden war – und flog zurück in die USA. Da das Studio auf Roberts als kommerzielles Zugpferd bestand, versuchte Zwick, sie zur Rückkehr zu überreden, hatte damit aber keinen Erfolg. Anschließend wurde das Projekt (vorerst) komplett eingestampft.

Zwicks Resümee: „Ich habe den tragischen Fehler gemacht, ihre Unsicherheit zu unterschätzen.“ Roberts sei damals relativ neu im Geschäft gewesen und habe sich für ein so riskantes wie groß angelegtes Projekte wie „Shakespeare In Love“ womöglich einfach noch nicht bereit gefühlt – auch wenn sie sich so eine riesige Oscar-Chance durch die Lappen gehen ließ!

Auch einen anderen 90er-Jahre-Hit hat Julia Roberts übrigens abgelehnt. Um welchen Film es geht, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:

"Eine ihrer bedauerlichsten Entscheidungen": Julia Roberts hat einen 90er-Jahre-Hit abgelehnt, der in Deutschland über 4 Millionen Zuschauer hatte
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