Es ist eine der besten Stephen-King-Verfilmungen überhaupt und keiner will sie sehen: Nächster Kino-Flop für Grusel-Experten
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Ein Grusel-Experte verfilmt einen Stephen-King-Roman und es ist kein Horror, sondern ein das Herz erwärmendes und lebensbejahendes Kinoerlebnis. Doch leider will dies trotz riesiger Begeisterung in den USA niemand sehen.

The Life Of Chuck“ steuert mit großen Schritten darauf zu, in den USA ein ganz schön gewaltiger Kinoflop zu werden. Nachdem es in der Vorwoche einen kleinen Vorabstart in den Großstädten gab, um die Begeisterung anzufachen, wurde die Ausweitung auf über 1.000 Kinos am vergangenen Wochenende zur Bruchlandung.

Gerade einmal 2,3 Millionen Dollar spielte die Stephen-King-Adaption mit u.a. Tom Hiddleston und Mark Hamill in den USA am ersten landesweiten Kinowochenende ein. Im Durchschnitt sind das nur 2.159 Dollar pro Kino – ein extrem schwacher Wert für einen Quasi-Neustart. Die sich an ein ähnliches Zielpublikum richtende Romanze „Was ist Liebe wert - Materialists“ schaffte es zum Beispiel auf einen doppelt so hohen Kopienschnitt. Sie spielte zwölf Millionen Dollar in rund 2.800 Kinos ein, was durchschnittlich 4.219 Dollar ergibt.

Ein zu später Kinostart als Grund für den Flop?

Bei „The Life Of Chuck“ ist das miserable Ergebnis durchaus ein Paukenschlag. Denn der Film von „Spuk in Hill House“-Regisseur Mike Flanagan kam mit einem riesigen Hype als Rückenwind daher. Im Rahmen seiner Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Toronto bekam er den Publikumspreis und schlug dabei Oscar-Kandidaten wie „Emilia Pérez“ und sogar den späteren Goldjungen-Gewinner „Anora“.

Dazu sind die Kritiken begeistert. Nicht nur wir bei FILMSTARTS.de sprechen von „einer der besten Stephen-King-Verfilmungen überhaupt“ und zücken herausragende 4,5 Sterne.

The Life Of Chuck
The Life Of Chuck
Starttermin 24. Juli 2025 | 1 Std. 51 Min.
Von Mike Flanagan
Mit Tom Hiddleston, Mark Hamill, Chiwetel Ejiofor
User-Wertung
4,0
Filmstarts
4,5

US-Filmverleih Neon soll in einem Bieterwettstreit richtig viel Geld für „The Life Of Chuck“ hingelegt haben. Die genaue Summe ist genauso wie das Budget des Films nicht bekannt. Aber genau Neon, wo man zuletzt ein gutes Händchen beim Marketing bewies, scheint hier ein großer Fehler unterlaufen zu sein. Wohl weil man bereits (am Ende auch sehr erfolgreich) auf „Anora“ als Oscar-Kandidaten setzte, wartete man mehrere Monate mit einem Kinostart von „The Life Of Chuck“.

Die Hoffnung war es wohl, einen Sommer-Hit zu landen und den Film damit zu Oscarnominierungen im Jahr 2026 zu tragen. Viele Hollywood-Expert*innen sind sich aber nun einig, dass Neon damit in Nordamerika den Hype um die King-Adaption nach der Toronto-Premiere leichtfertig verspielt hat und womöglich auch die Oscar-Hoffnungen bald begraben muss, sollte der Film nicht noch zum Streaming-Erfolg werden.

Ist die verzwickte Story von "The Life Of Chuck" ein Problem?

Doch womöglich hat man auch falsch eingeschätzt, wie schwer der Film zu vermarkten ist. Denn auch Leute, die diverse Trailer und Spots zu „The Life Of Chuck“ gesehen haben, haben teilweise gar keine Ahnung, worum es da genau geht.

Die Drama-, Fantasy- und Science-Fiction-Elemente verbindende Romanverfilmung erzählt in drei verschiedenen Akten in umgekehrter chronologischer Reihenfolge vom Leben eines gewissen Charles „Chuck“ Krantz (gespielt von Tom Hiddleston, Jacob Tremblay, Benjamin Pajak und Cody Flanagan), dessen bevorstehender Tod eng mit dem Ende der Welt verbunden ist.

Alles beginnt dabei mit einem apokalyptischen Szenario, in dem die Welt durch Naturkatastrophen und den Zusammenbruch der Infrastruktur erschüttert wird. Als überall mysteriöse Danksagungen an einen Mann namens Chuck erscheinen, fragen sich nämlich nicht nur der Lehrer Marty Anderson (Chiwetel Ejiofor) und die Krankenschwester Felicia Gordon (Karen Gillan), wer zur Hölle dieser Chuck ist.

Mike Flanagan: Streaming-Hits, aber Kino-Flops

Das enttäuschende Einspielergebnis ist auch eine schlechte Nachricht für Mike Flanagan. Der wurde mit Low-Budget-Erfolgen zur Horror-Hoffnung – vor allem „Oculus“ und „Ouija: Ursprung des Bösen“ sind hier zu nennen. Mit Netflix-Serien wie „Spuk in Hill House“, „Spuk in Bly Manor“ oder „Midnight Mass“ etablierte er sich als gefeierter Grusel-Experte. Doch bei seinen größer budgetierten Kinofilmen ist ihm bislang kein Glück beschienen.

Bereits 2019 versuchte er sich mit „Doctor Sleeps Erwachen“ an einer Stephen-King-Adaption. Das 45 Millionen Dollar teure „Shining“-Sequel ging an den Kinokassen baden und spielte in den USA gerade einmal 31,6 Millionen Dollar ein. Nachdem nun auch „The Life Of Chuck“ floppt, dürften gerade die Verantwortlichen hinter der „Der Exorzist“-Reihe ein paar Sorgenfalten mehr auf der Stirn haben. Schließlich haben sie das Franchise Mike Flanagan anvertraut, um es zu neuen kreativen Höhen (und vor allem vielen Dollars an den Kinokassen) zu führen.

Da passt es vielleicht gut, dass sich der Grusel-Experte erst mal wieder auf eine Streaming-Serie konzentriert – übrigens eine weitere Stephen-King-Adaption. Für Amazon Prime Video macht er „Carrie“. Kürzlich wurde der Cast bekannt:

Horror-Klassiker von Stephen King wird zur Serie bei Amazon Prime Video: Jetzt steht der Cast fest!

In Deutschland könnt ihr „The Life Of Chuck“ übrigens ab dem 24. Juli 2025 auf der großen Leinwand sehen. Vielleicht gehen hierzulande ein paar Menschen mehr ins Kino. Es lohnt sich, wie ihr auch in unserer FILMSTARTS-Kritik nachlesen könnt. Nachfolgend haben wir auch noch einmal einen Trailer für euch:

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