"Viele Leute hassten den Film": Diesen Flop eines Meisterregisseurs hält Jack Nicholson für einen seiner unterschätztesten Filme!
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Jack Nicholson hat in vielen Klassikern mitgespielt – doch ein Film von 1971 ging im Kino gnadenlos unter. Zu Unrecht, findet der dreifache Oscar-Gewinner!

Jack Nicholson ist der Inbegriff einer lebenden Hollywood-Legende. Zwar war er schon lange nicht mehr auf der Leinwand zu sehen – vor 15 Jahren absolvierte er in der romantischen Komödie „Woher weißt du, dass es Liebe ist?“ seinen wohl letzten Auftritt–, doch bis dahin war der 88-Jährige in so vielen Klassikern, Kinohits und Meisterwerken zu sehen, dass es viel zu lange dauern würde, sie alle aufzuzählen. Eine kleine Auswahl: „Chinatown“, „Shining“, „Die Hexen von Eastwick“, „Batman“, „Eine Frage der Ehre“, „Departed – Unter Feinden“.

Mit drei gewonnenen Statuen – für „Einer flog über das Kuckucksnest“, „Zeit der Zärtlichkeit“ und „Besser geht’s nicht“ – wurde Nicholson bei den Oscars außerdem nur von Katherine Hepburn übertrumpft. Sechs weitere Male konnte er auf einen Academy Award hoffen, zuletzt im Jahr 2003 für die Tragikomödie „About Schmidt“. Die Karriere des Schauspielers mit dem berühmten diabolischen Grinsen ist also eine einzige Erfolgsgeschichte – doch natürlich hat Nicholson in seiner mehr als 40 Jahre umfassenden Laufbahn auch in Filmen mitgespielt, denen nicht viel Aufmerksamkeit vergönnt war.

Dazu gehört mit Sicherheit „Carnal Knowledge – Die Kunst zu liebenaus dem Jahr 1971. Nicholson war dank des Biker-Klassikers „Easy Rider“ und der Charakterstudie „Five Easy Pieces – Ein Mann sucht sich selbst“ gerade erst der internationale Durchbruch gelungen. Doch obwohl Hit- und Meisterregisseur Mike Nichols („Die Reifeprüfung“) für die Tragikomödie verantwortlich zeichnete, ging sie an den Kinokassen gnadenlos baden. Nicht einmal 34.000 (!) US-Dollar konnte „Carnal Knowledge“ erwirtschaften – und das bei einem Budget von 5 Millionen!

Carnal Knowledge - Die Kunst zu Lieben
Carnal Knowledge - Die Kunst zu Lieben
Starttermin 17. Februar 1972 | 1 Std. 38 Min.
Von Mike Nichols
Mit Jack Nicholson, Candice Bergen, Art Garfunkel
User-Wertung
2,8

Der Film dreht sich um die jahrzehntelange Freundschaft zweier Männer, die eigentlich unterschiedlicher kaum sein könnten: Jonathan (Nicholson) ist selbstbewusst, zynisch und vor allem auf körperliche Beziehungen fixiert, während Sandy (Art Garfunkel) eher zurückhaltend, nachdenklich und auf der Suche nach romantischer Liebe ist. Trotz ihrer Differenzen bleiben sie von der College-Zeit bis ins Erwachsenenalter über Jahre hinweg miteinander verbunden und durchlaufen parallel eine Reihe gescheiterter Beziehungen.

Für Nicholson war der Misserfolg des Films eine riesige Enttäuschung – so äußerte er in einem Interview offen seinen Frust darüber, dass „Die Kunst zu lieben“ sowohl beim Publikum als auch bei den Oscars keinen großen Anklang fand (nur Ann-Margret wurde für einen Academy Award als Beste Nebendarstellerin nominiert). „Ich glaube, viele Leute hassten den Film“, so der „Die Wutprobe“-Darsteller (via Far Out Magazine). Lange habe er geglaubt, dass es sich deshalb um einen schlechten Film handeln müsse – doch eigentlich sei ihm klar, dass Nichols einen sehr guten und vor allem sehr ehrlichen Film gedreht habe.

In Bezug auf die ausgebliebene Oscar-Nominierung – Nicholson war die beiden vorangegangenen Jahre jeweils nominiert worden – äußerte sich der siebenfache Golden-Globe-Preisträger wie folgt: „Die Leute werden es leid, dich ständig nominiert zu sehen. Niemand ist besonders schockiert darüber, dass ich nicht nominiert wurde – selbst die, die finden, ich hätte es verdient. Sie sagen nicht: ‚Was für eine Katastrophe!‘ Ein Teil von ihnen denkt sich: ‚Ist auch gut so – der bekommt ohnehin zu viel Aufmerksamkeit.‘“

Bei der Oscar-Verleihung 1972 stand Nicholson trotzdem auf der Bühne: Er präsentierte die Auszeichnung für den Besten Film – die an den Polizeithriller-Meilenstein „French Connection“ ging (dessen Hauptdarsteller Gene Hackman ebenfalls gewann). Ann-Margret wiederum zog gegenüber Cloris Leachman den Kürzeren, die für den New-Hollywood-Klassiker „Die letzte Vorstellung“ prämiert wurde.

1993 wurde Nicholson übrigens für den Anti-Oscar Goldene Himbeere nominiert – und trotzdem hält er seine Leistung in dem betreffenden Film für seine allerbeste! Mehr dazu lest ihr im nachfolgenden Artikel:

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