Wenn wir in etwas mehr als zwei Monaten auf das vergangene Kinojahr zurückblicken, dürften nicht zuletzt viele Horror-Fans eine durchaus positive Bilanz ziehen. Ich jedenfalls bin jetzt schon mehr als glücklich mit der diesjährigen Ausbeute, wenn ich einen Blick auf mein vorläufiges 2025er-Ranking werfe. Nicht nur durfte ich mich wieder einmal über einen 5-Sterne-Film („Heldin“) freuen, sondern auch über eine grandiose Neuauflage eines meiner Lieblingsfilme („Die nackte Kanone“) sowie tolle Geschichten aus aller Herren Länder – vom thailändischen Familiendrama „How To Make Millions Before Grandma Dies“ bis hin zum indischen Filmemacher-Abenteuer „Superboys Of Malegaon“. Doch vor allem der Horror-Enthusiast in mir wurde dieses Jahr ganz schön glücklich gemacht. Und zwar immer wieder.
Neben großen Kinoproduktionen wie „Sinners“ und „28 Years Later“ haben mir es nicht zuletzt die etwas weniger bekannten „Oddity“ und „When Evil Lurks“ angetan. Doch wenn es um den wirklich besten Horrorfilm des Jahres geht, kann das für mich nur „Bring Her Back“ sein – der heute pünktlich zu Halloween den Weg ins Heimkino findet:
Nachdem der gnadenlos unter die Haut gehende Schocker von Michael und Danny Philippou Mitte August in den heimischen Kinos für Angst und Schrecken sorgte, dort allerdings eher unter dem Radar lief und nicht ganz so hohe Wellen schlagen konnte wie ihr ebenfalls äußerst gelungenes Erstlingswerk „Talk To Me“, könnt ihr euch ihm ab sofort also im Safespace eurer eigenen vier Wände ausliefern. Ihr gehört zu den vielen Menschen, die auf einen Kinobesuch verzichteten oder von dem Start gar nichts mitbekommen haben? Dann ist das nun die perfekte Gelegenheit, den Ausnahme-Horrorfilm passend zum Gruselfest nachzuholen!
Verleiher PLAION PICTURES bringt den Streifen zunächst nur auf DVD und Blu-ray in den Handel. Wer „Bring Her Back“ in 4K erleben will, wird momentan lediglich im Streaming bedient – etwa bei Amazon Prime Video, wo ihr die Ultra-HD-Version bereits für 9,99 Euro eurer Sammlung einverleiben könnt.
Sammler*innen physischer Medien sowie 4K-Aficionados, die das Maximum aus ihrem Heimkino herausquetschen wollen, dürfte die Wahl zwischen digitaler und Disc-Version am Ende leicht fallen. Am Ende ist diese aber freilich nebensächlich. Hauptsache ist natürlich, dass das fiese FSK-18-Brett in allen Versionen in der komplett ungekürzten Fassung vorliegt – die zum besten und verstörendsten gehört, was die letzten Kinomonate (vielleicht sogar -jahre) zu bieten hatten.
"Bring Her Back": Was würdet ihr tun, um einen geliebten Menschen zurückzuholen?
„Bring Her Back“ ist die Geschichte von Andy (Billy Barratt) und Piper (Sora Wong), die nach dem Tod ihres Vaters bei Laura (Sally Hawkins) aufwachsen sollen. Diese kennen die beiden zwar noch nicht, doch macht die Unbekannte einen überaus herzlichen Eindruck, als die Halbgeschwister an ihrem Landhaus ankommen. Von dem in sich gekehrten Ollie (Jonah Wren Phillips), der schon länger unter Lauras Obhut lebt, kann man das allerdings nicht behaupten.
Der Junge redet kein Wort, scheint die beiden Neuankömmlinge dafür aber umso genauer unter die Lupe zu nehmen. Ihre Pflegemutter erweist sich indes als stets redselig – und spricht auch schon bald von ihrem tragischen Verlust, der sie einfach nicht loszulassen scheint. Und den sie keinesfalls einfach so hinnehmen will…
Familiendramen, Traumabewältigung und Co. sind nicht nur schwere Themen, die bei den Oscars gern gesehen sind – seit einigen Jahren werden sie auch mit eindringlichem Genre-Kino in Verbindung gebracht. Filme wie „mother!“, „Der Unsichtbare“ oder auch „Der Babadook“ zeigten eindrucksvoll, auf welch unterschiedliche Art und Weise Tragik und Terror zusammengebracht werden können – und dass ein solcher Cocktail das Zeug dazu hat, kurzfristig zu schocken wie auch nachhaltig auf den Magen zu schlagen.
Ja, „Bring Her Back“ kommt mit einigen drastisch-ekligen Bildern um die Ecke, bei denen Zartbesaitete die Hände vorm Gesicht zusammenschlagen dürften – und brennt sich mit fiesen Gewaltspitzen, die die eigenen Grenzen des Ertragbaren auf eine harte Probe stellen, nachhaltig ins Gedächtnis. Gorehounds kommen demnach durchaus auf ihre Kosten, sollten zugleich aber kein zügelloses Schlachtfest von der ersten bis zur letzten Minute erwarten.
Denn das Gemetzel fällt eben vor allem deshalb so ungemein schonungslos aus, weil es der zuvor erschaffene dramatische Unterbau überhaupt erst möglich macht. So werden zunächst mit sämtlichen Protagonist*innen gebrochene Figuren eingeführt, deren Leid allgegenwärtig ist – und die allesamt nach einem rettenden Strohhalm suchen, der ihnen dabei hilft, die Verluste aus ihrer Vergangenheit zu vergessen, zu bezwingen oder zu verarbeiten – und schließlich in eine Zukunft zu schauen, in der alles besser werden soll. Doch der Weg hin zum Licht am Ende des Tunnels ist steinig und schwer, voller Pein und Schmerz.
Dass das Publikum jenem Schmerz schutzlos ausgeliefert ist, ist nicht zuletzt dem Cast zu verdanken. Was die Philippou-Zwillinge – wie auch schon bei „Talk To Me“ – gerade aus ihrem jungen Ensemble herausholen, sucht seinesgleichen. Und doch kommen auch wir (wie viele andere) am Ende nicht drumherum, die großartige Sally Hawkins als emotionalen Dreh- und Angelpunkt dieses fast unaussprechlich grausamen Schreckensszenarios zu identifizieren.
Bekannt als liebenswerte, fürsorgliche Mary Brown, die dem titelgebenden Bären der (ersten beiden) „Paddington“-Filme nicht nur ein Heim, sondern auch eine Familie schenkt, spielt sie hier gewissermaßen den Ziehmutter-Counterpart zu ihrer Paraderolle – und triumphiert mit einer nuancierten, komplexen und ebenso erschütternden wie bewegenden Performance für die Ewigkeit. Ob sie letztlich vielleicht mit der Oscarnominierung belohnt wird, die vor einigen Jahren auch schon Toni Collette für „Hereditary - Das Vermächtnis“ bekommen hätte müssen? Verdient hätte sie es allemal.
Zur Einstimmung auf Halloween bringen die hiesigen Verleiher traditionsgemäß besonders viele Horrorfilme in den Handel, darunter noch ein weiteres 2025er-Highlight, das euch unser Autor Sidney Schering im nachfolgenden Artikel ans Herz legt:
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