"Das hat alles eine Bedeutung": Ihr werdet nicht glauben, wie komplex der Sci-Fi-Blockbuster "Predator: Badlands" in Wahrheit ist!
Daniel Fabian
Daniel Fabian
-Senior-Redakteur
Fasziniert und berührt werden, aber auch ein stückweit über sich selbst erfahren – darin besteht für Daniel die Magie des Kinos.

Mit „Predator: Badlands“ beweist Dan Trachtenberg bereits zum dritten Mal, dass das legendäre Sci-Fi-Franchise bei ihm in besten Händen ist. Ein Schlüssel zum Erfolg ist auch die Sprache der Yautja, hinter der mehr steckt, als man meinen könnte.

Mit einem weltweiten Einspielergebnis von knapp 80 Millionen Dollar legte „Predator: Badlands“ den erfolgreichsten Kinostart der gesamten Reihe hin. Gut, die Produktionskosten von 105 Millionen Dollar überstiegen die Vorgängerfilme zwar ebenfalls, doch selbstverständlich ist die Box-Office-Bestmarke dennoch nicht. Auch weil Regisseur Dan Trachtenberg und sein Team nach „Prey“ und „Predator: Killer Of Killers“ großen Mut beweisen, indem sie die altbekannte Erzählung unterwandern, um einen neuen Blick auf die Yautja zu werfen.

Denn nicht nur wagt sich der Film als kurzweilig-spaßiges Survival-Abenteuer mit Buddy-Dynamik auf gänzlich neues „Predator“-Terrain, auch bekommen wir in „Badlands“ zum ersten Mal einen der Yautja genannten Jäger-Aliens als Protagonisten zu sehen – an dessen Seite wir uns schlagen sollen, wenn sich dieser auf einem fremden Planeten, auf dem ihn alles und jeder töten kann, den Respekt seines Clans erkämpfen und den sagenumwobenen Kalisk erlegen will. Bevor er hier auf die Androidin Thia (Elle Fanning) stößt, die ihm bei seiner Mission zur Seite steht (auch wenn sie die meiste Zeit an seinem Rücken hängt), lernen wir zunächst den Predator Dek (Dimitrius Schuster-Koloamatangi) und seine Familie kennen – und bekommen jede Menge neue Einblicke. Einblicke, die uns auf sinnvolle Weise vor Augen geführt werden.

Die Sprache der Yautja als Schlüssel zum Worldbuilding

Während James Cameron in „Avatar: The Way Of Water“ die Sprachbarriere zwischen den Na'vi auf Pandora und dem Publikum im (Heim-)Kino mit einem simplen Kniff aufhebt, musste man nun auch bei „Predator: Badlands“ einen Weg finden, den knurrenden, klickenden und zischenden Lauten der Yautja Bedeutung zu verleihen.

Was die Kommunikation zwischen Dek und Thia angeht, funktioniert das noch vergleichsweise einfach – mit Unterstützung eines Sprachenübersetzers. Darüber hinaus aber traut Dan Trachtenberg seinem Publikum zu, sich auf das Lesen von Untertiteln einzulassen – denn davon gibt es hier für einen Blockbuster ganz schön viele. Vor allem gemessen an den in Summe durchaus reduzierten Dialogen im mittlerweile siebten „Predator“-Film.

Ja, bereits 2024, als wir die Dreharbeiten von „Predator: Badlands“ in Neuseeland besuchten, erzählte uns Produzent Ben Rosenblatt, dass die Sprache der Yautja für den Film und sein Worldbuilding von essentieller Bedeutung seien.

Wir haben einen echten Predator getroffen – und überlebt! FILMSTARTS am Set von "Predator: Badlands"

Einerseits wurde das visuelle Storytelling in den Vordergrund gerückt. Während in anderen Filmen also oft leere Worthülsen abgefeuert und vieles bis zum Gehtnichtmehr toterklärt wird, versuchten die Macher hier, ihre Bildsprache als Storytelling-Werkzeug zu nutzen. So kann man „Predator: Badlands“ über weite Strecken folgen, ohne auch nur ein einziges gesprochenes Wort zu verstehen. Zugleich hat es im Umkehrschluss umso größere Bedeutung, wenn dann doch einmal was gesagt wird.

Uns gegenüber beschrieb Regisseur Trachtenberg jene vermeintliche Herkulesaufgabe sogar als „regelrechten Segen“ – eine angenehme Überraschung im Zuge der Dreharbeiten, während sich andere, vermeintlich einfachere Dinge (wie etwa der Stunt-Aufwand hinter der in Rumpf und Beine getrennten Thia) als Qual herausstellten.

Regisseur Dan Trachtenberg und Elle Faning am Set von © 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.
Regisseur Dan Trachtenberg und Elle Faning am Set von "Predator: Badlands"

Andererseits betrieb man enormen Aufwand, um den Yautja nicht einfach nur ein paar wirre Laute in den Mund zu legen, sondern ein vollwertiges Mittel zur Kommunikation zu geben. „Wir haben ein ganzes Alphabet, es gibt ein komplettes Wörterbuch“, ließ uns Rosenblatt am Set wissen. „Wenn ihr später in die Waffenkammer geht und auf den Gerätschaften Symbole seht... das hat alles eine Bedeutung“, gab uns der Produzent mit den auf den Weg, bevor wir einen Blick auf Plasmaschwerter, Rüstungen und mehr werfen durften. Alles davon übersäht mit Schriftzeichen, von denen kein einziges zufällig ist.

Unterstützung aus der "Avatar"-Familie

Ja, „Predator: Badlands“ ist klassische Blockbuster-Kost im besten Sinne und vor allem darauf bedacht, Spaß zu machen und zu unterhalten. Nichtsdestotrotz sahen sich Trachtenberg und Co. mit der Aufgabe konfrontiert, die in den bisherigen Filme etablierte Mythologie zu ehren und weiterzuspinnen – also bereits bekannte Elemente aufzugreifen und darauf aufzubauen. Hier kam Sprachwissenschaftler Britton Watkins ins Spiel.

Der Linguistiker kam über seinen guten Freund und Erfinder der Na'vi-Sprache Paul Farmer zum Projekt und wurde damit beauftragt, den Yautja eine Stimme zu geben. Aufbauend auf den altbekannten Runen entwickelte er eine komplette Schrift, während ihn jedoch vor allem die Aussprache vor eine Herausforderung stellte. Denn um festzustellen, inwieweit ein Predator überhaupt in der Lage ist zu sprechen, musste er sich zunächst mit der Anatomie des außerirdischen Jägers befassen.

Predator: Badlands
Predator: Badlands
Starttermin 6. November 2025 | 1 Std. 47 Min.
Von Dan Trachtenberg
Mit Elle Fanning, Dimitrius Schuster-Koloamatangi, Michael Homick, Stefan Grube
User-Wertung
3,8
Filmstarts
3,5

In den 80ern wurden Blockbuster gerne noch ziemlich oberflächlich betrachtet. Kreaturen, Kostüme oder auch Oneliner mussten oftmals keinen höheren Zweck erfüllen. Cool mussten sie sein. Im Zeitalter von immer und überall verfügbarer Unterhaltung werden Filme und Serien von Fans (und Nicht-Fans) allerdings gerne ganz genau unter die Lupe genommen – und auch schnell einmal vorgeführt, wenn ein kleines Detail nicht der Richtigkeit entspricht. Im Falle von „Predator: Badlands“ hat man allerdings vorgesorgt. Man hat nichts dem Zufall überlassen und sich ganz genau mit den ikonischen Mandibeln, dem mit spitzen Zähnen besetzten Kiefer und den unheilvoll wabernden Wangen beschäftigt. Denn nur so konnte man die Yautja zu greifbaren Figuren, Dek – in Kombination mit einer meisterhaften Symbiose aus praktischen Spezialeffekten und Computeranimationen – zu einem waschechten, fühlenden Protagonisten machen. Mit dem man mitfühlen kann.

Ganz ähnlich wie die „Avatar“-Filme von James Cameron ist so auch der neue „Predator“ ein überhöhtes, bildgewaltiges Spektakel, das nicht nur mit oberflächlichen Schauwerten zu überzeugen weiß, sondern zwischen all dem Brimborium auch von seiner Authentizität lebt – und damit am Ende zu einem bisweilen komplexen Blockbuster wird, der auch auf emotionaler Ebene funktioniert.

Damit die Abenteuer-Sause, die „Predator: Badlands“ auf jeden Fall ist, funktioniert, wurde im Hintergrund also gigantischer Aufwand betrieben, um uns einerseits tiefer in die Welt der Yautja eintauchen zu lassen als je ein Film zuvor. Zugleich fühlt es sich letztlich aber auch ganz so an, als hätten wir damit erst die Spitze des Eisbergs zu sehen bekommen. Wie viel Potenzial noch in der „Predator“-Welt schlummert und wie die Chancen stehen, dass uns Trachtenberg schon bald Nummer 4 um die Ohren haut? Das und noch viel mehr hat uns der Regisseur kürzlich im Interview verraten:

"Oh Gott, machen wir hier gerade Howard The Duck?!": "Predator: Badlands"-Regisseur Dan Trachtenberg im großen FILMSTARTS-Interview

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