"Oh Gott, machen wir hier gerade Howard The Duck?!": "Predator: Badlands"-Regisseur Dan Trachtenberg im großen FILMSTARTS-Interview
Markus Trutt
Markus Trutt
-Redakteur
Filme, Serien, Videospiele. Markus brennt schon seit Kindertagen für so ziemlich alles, was über Bildschirme und Leinwände flimmert.

In „Predator: Badlands“ wagt Dan Trachtenberg einen radikalen Perspektivwechsel: Der Jäger wird zum Helden. Beim Besuch in der FILMSTARTS-Redaktion spricht er über kreative Freiheiten und die Herausforderung, gleich zwei „Predator“-Filme zu drehen.

Dan Trachtenberg ist DAS neue Mastermind in Sachen „Predator“. Drei Jahre nach dem Streaming-Erfolg des starken „Prey“ hat er mit dem blutigen Animationsabenteuer „Predator: Killer Of Killers“ und nun dem Franchise-Kino-Comeback „Predator: Badlands“ 2025 gleich zwei neue Filme für die ikonische Science-Fiction-Reihe an den Start gebracht.

Umso schöner, dass sich Trachtenberg nach diesem Kraftakt die Zeit genommen hat, um in unserem Berliner Büro für ein ausführliches Gespräch vorbeizuschauen. Dabei sind nicht nur die Strapazen durch die außergewöhnliche Doppelbelastung zur Sprache gekommen. Auch plaudert der „10 Cloverfield Lane“-Macher über zwischenzeitliche Zweifel und den letztendlichen Durchbruch, den Predator erstmals zum Protagonisten seines eigenen Films zu machen – sowie über die mögliche Zukunft für den kultigen Alien-Jäger...

Dan Trachtenberg (vorne mit Bart und Jacke) beim Besuch im FILMSTARTS-Büro Webedia GmbH
Dan Trachtenberg (vorne mit Bart und Jacke) beim Besuch im FILMSTARTS-Büro

FILMSTARTS: Da man es bei großen Studioproduktionen wie nun auch „Predator: Badlands“ immer wieder sieht, dass die Studio-Logos und -Melodien zu Beginn passend zum jeweiligen Film etwas verändert werden: Wie viel Freiheit hat man eigentlich bei der Abwandlung dieser Studio-Intros?

Dan Trachtenberg: Sehr coole und witzige Frage! Der Chef der 20th Century Studios, Steve Asbell, liebt dieses 20th-Logo wirklich sehr, er sieht sich quasi als Hüter davon. Man muss ihn manchmal ziemlich überreden, wenn man etwas daran ändern will. Bei „Prey“ zum Beispiel hatten wir anfangs eine sehr coole Variante: Die Fanfare läuft, dann bricht sie plötzlich ab, die Scheinwerfer gehen aus, und das Logo wird unsichtbar. Steve meinte nur: „Wir ändern das aber wieder zurück, oder?“ Aber gegen Ende hatten wir ihn so weit weichgeklopft, dass er sagte: „Na gut, macht schon.“

Dann haben wir den Anfang des Films etwas verändert. „Prey“ beginnt mit Naru, die etwas über den Wind sagt, ganz ruhig, und dann schneiden wir zu diesem dokumentarischen Einstieg. Das fühlte sich so elegant an. Das ursprüngliche Logo war dagegen viel zu aggressiv. Also habe ich das Ganze letztlich wieder rückgängig gemacht – obwohl ich es zuerst selbst vorgeschlagen hatte.

Bei „Badlands“ haben wir den Sound des Logos nur leicht angepasst, Steve hatte diesmal gar kein Problem damit. Und nicht nur 20th macht das – auch Disney selbst verändert sein Logo ständig. Ich bin selbst ein großer Fan von solchen Logo-Spielereien.

FILMSTARTS: Ich freue mich auch jedes Mal, wenn da was Neues kommt.

Dan Trachtenberg: Hast du ein Lieblingslogo?

FILMSTARTS: Da müsste ich erst mal eine Weile drüber nachdenken...

Dan Trachtenberg: Mich hat „Waterworld“ beeindruckt – da wurde alles in Wasser verwandelt. Und „Scott Pilgrim“ natürlich: Das Universal-Logo im 8-Bit-Stil – einfach genial!

FILMSTARTS: Ja, das hat wirklich schon perfekt die Stimmung des Films gesetzt.

Das Geheimnis eines guten "Predator"-Films

FILMSTARTS: Du hast jetzt drei „Predator“-Filme in Folge gedreht, und das innerhalb sehr kurzer Zeit. Was ist dein Geheimnis für einen richtig guten „Predator“-Film ... damit ich das selbst nachmachen kann?

Dan Trachtenberg: (lacht) Für mich liegt das Geheimnis darin, dass es schon vor dem Auftauchen des Predators Konflikte und Drama gibt – dass der Film in einem Genre anfängt und dann in ein anderes kippt. Genau das war ja auch beim ersten Film so spannend. Ich finde, das sorgt generell für bessere Filme, egal in welchem Franchise. Wenn du zuerst in die Figuren und ihre Emotionen investierst, bevor die Action losgeht, wird es automatisch ein charakterorientierter Film statt eines bloßen Franchise-Movies.

FILMSTARTS: Das ist dir hier schon mit dem Prolog gelungen. Der fällt gar nicht so lang aus, aber man ist sofort emotional bei dieser Predator-Familiengeschichte dabei. Wie viel Freiheit hast du bei solchen Dingen? Wie schwer ist es, Neues auszuprobieren und trotzdem der Kernidee des Franchises treu zu bleiben?

Dan Trachtenberg: Schwer? Eigentlich nicht. Es ist sogar hilfreich, wenn man ein stabiles Fundament hat – einen Punkt, zu dem man immer zurückkehren kann, das Herz des Ganzen. Das leere Blatt ist viel beängstigender. Bei „Badlands“ war der Yautja-Prime-Teil des Films sogar einfacher als „Prey“, weil wir dort alles komplett neu erschaffen mussten. Es hilft also tatsächlich, Franchise-Elemente zu haben, an denen man sich beim Entwickeln neuer Ideen orientieren kann.

Kämpft in Disney und seine verbundenen Unternehmen
Kämpft in "Badlands" diesmal selbst als Hauptfigur ums Überleben: der Predator

FILMSTARTS: Und wie kam es dazu, dass du gleich zwei neue „Predator“-Filme gleichzeitig gemacht hast? War das deine Idee, oder kam Disney nach dem Erfolg von „Prey“ damit auf dich zu?

Dan Trachtenberg: Ich wusste gar nicht, wozu sie Ja sagen würden, also habe ich einfach alle Ideen gleichzeitig präsentiert. Und irgendwie liefen dann beide Projekte parallel. Das würde ich nie wieder machen! Es gab Tage in Neuseeland, da hatte ich zwei Ohrhörer im Ohr – auf der einen Seite das Set, auf der anderen eine Laptop-Verbindung ins Büro zu den „Killer Of Killers“-Leuten. Ich habe „Cut!“ gerufen, dann eine Diskussion im Ohr gehört, kurz reingeredet – „Vielleicht so versuchen?“ – und bin dann wieder zu den Schauspielern zurück. Total verrückt.

FILMSTARTS: Und obwohl sie alle von dir stammen, sind die „Predator“-Filme doch sehr unterschiedlich geworden. Auch was die Gewalt betrifft: Nach dem Blutbad in „Killer Of Killers“ ist „Badlands“ der erste richtige „Predator“-Film mit einer PG-13-Freigabe [US-Altersfreigabe, mit denen Filme für ein Publikum ab 13 Jahren empfohlen werden, Anm. d. Redaktion]. War das von Anfang an die Vorgabe oder hat sich das aus der Story ergeben?

Dan Trachtenberg: Es hat sich aus der Story ergeben. Ich wollte einen Film auf einem anderen Planeten drehen, wo der Predator riesige, wilde Kreaturen jagt. Dann kam das Synth-Element dazu. Und weil die Kämpfe gegen Roboter und Monster stattfinden, konnte ich alle blutigen Ideen – Wirbelsäulen, Gliedmaßen, Brustkörbe – trotzdem einbauen, ohne dass es zu brutal für PG-13 wurde. Disney hat mir das nicht vorgeschrieben, im Gegenteil: Ich habe darauf bestanden, dass ich diesen Film machen darf, und das PG-13-Rating war dann ein netter Nebeneffekt.

Predator: Badlands
Predator: Badlands
Starttermin 6. November 2025 | 1 Std. 47 Min.
Von Dan Trachtenberg
Mit Elle Fanning, Dimitrius Schuster-Koloamatangi, Michael Homick, Stefan Grube
User-Wertung
3,8
Filmstarts
3,5

FILMSTARTS: „Badlands“ hat unglaublich schöne, fast magische Locations – dank dir und Neuseeland! Wie wichtig war es, wirklich vor Ort zu drehen, und wie viel CGI steckt am Ende doch drin?

Dan Trachtenberg: Eine Menge – sowohl offensichtliches als auch hoffentlich unsichtbares CGI. Ich halte mich an die 80/20-Regel: Der Großteil des Bildes soll echt sein – Neuseeland, das natürliche Licht, die Landschaft – und nur ein kleiner Teil wird ergänzt, um es fremdartiger zu machen. Mir war wichtig, dass der natürliche Look von „Prey“ – den Great Plains im 18. Jahrhundert – auch auf diesen fernen Planeten übertragen wird. Wir haben also fast alles on location gedreht. Aber die VFX-Künstler waren natürlich trotzdem superwichtig. Sie haben großartige Arbeit geleistet, um die Kreaturen und Landschaften so überzeugend wirken zu lassen.

FILMSTARTS: Die Schauplätze sind bei dir nie nur Kulisse – sie bekommen Leben, Ideen, Bedeutung. Im Finale ist es dann im Grunde sogar so, dass die Natur über die Technologie siegt. War dieser Konflikt Absicht?

Dan Trachtenberg: Nicht im Sinne eines bewussten „Natur vs. Technologie“-Themas, es ergab sich eher aus der Geschichte: Der Protagonist muss lernen, mit Einfallsreichtum statt roher Kraft zu überleben. Und der Predator wird sozusagen zum Dutch seines eigenen Films [der von Arnold Schwarzenegger gespielte Dutch Schaefer war die Hauptfigur im allerersten „Predator“, Anm. d. Redaktion]. Natürlich steckt da auch ein bisschen Allegorie drin, aber das war nicht der Ausgangspunkt.

Predator Dek wurde in Disney und seine verbundenen Unternehmen
Predator Dek wurde in "Badlands" mit einem Mix aus praktischen und visuellen Effekten zum Leben erweckt.

FILMSTARTS: War es schwierig, den Predator als Hauptfigur zum Funktionieren zu bringen? Gab es da einen bestimmten Punkt, an dem du wusstest: Jetzt klappt es?

Dan Trachtenberg: Am Anfang war ich total euphorisch – „Yeah, wir machen das, das wird mega!“ – und dann kam die Angst (lacht). Bis weit in die Produktion hinein war ich unsicher, ob es funktioniert. Erst als wir die Gesichtsbewegungen so hinbekommen hatten, dass man Dimitrius’ Ausdruck darunter wirklich spürt, wusste ich: Okay, es wird funktionieren [Dimitrius Schuster-Koloamatangi spielt in „Predator: Badlands“ den Predator, Anm. d. Redaktion]. Aber davor hatte ich Momente, in denen ich dachte: „Oh Gott, machen wir hier gerade ,Howard The Duck‘?“ Ich war richtig nervös. Doch als die ersten überzeugenden VFX-Tests kamen, war klar: Das wird richtig gut.

FILMSTARTS: Also das Gesicht des Predators stammt komplett aus dem Computer?

Dan Trachtenberg: Ja, genau. Wir haben alles mit Dimitrius und den anderen Darstellern in Kostümen gedreht – aber die Masken waren oben offen, also ist alles vom Stirnbereich bis zum Kinn CGI.

FILMSTARTS: Ich habe gesehen, dass die Duffer-Brüder in den Credits von „Predator: Badlands“ als Sprecher auftauchen. War das die Belohnung dafür, dass du eine Folge der letzten Staffel ihrer Serie „Stranger Things“ drehen durftest?

Dan Trachtenberg: (lacht) Eigentlich andersrum. Ich hätte eine Folge drehen sollen, aber daraus wurde wegen der parallelen Arbeit an „Killer Of Killers“ und „Badlands“ nichts. Ich hatte schon mit der Vorbereitung für Episode 3 angefangen – Previs, Planung usw. – und dann haben meine Filme beide grünes Licht bekommen. Also musste ich aussteigen. Doch wir sind Freunde geblieben. Und als wir gerade den Soundmix für „Badlands“ gemacht haben – zufällig im selben Studio, in dem sie ihre „Stranger Things“-Folgen mischten – habe ich sie angerufen: „Kommt schon, ihr müsst ein Cameo machen!“ Also haben wir ihre Stimmen kombiniert und daraus die Computerstimme des Schiffs gemacht. Es war super, dafür ihr Regisseur zu sein. Hat echt Spaß gemacht.

Wie sieht die "Predator"-Zukunft aus?

FILMSTARTS: Zum Abschluss müssen wir natürlich noch kurz über die Zukunft des „Predator“-Franchises sprechen – auch wenn ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll, weil dank dir dort jetzt so viel passiert. Am besten einfach eine Schnellfragerunde: Wie steht’s um eine „Killer Of Killers“-Fortsetzung?

Dan Trachtenberg: Ich würde wahnsinnig gern mehr animierte „Predator“-Projekte machen – absolut!

FILMSTARTS: Da ist am Ende ja viel offen – jede Menge Potenzial. Ist Arnold Schwarzenegger irgendwie in zukünftige Projekte involviert?

Dan Trachtenberg: Ich würde unglaublich gern mal etwas mit Arnold machen.

FILMSTARTS: Ich würde ihn auch gern wieder im Franchise sehen – nicht nur eingefroren! Und „Badlands“: Gibt es da auch Gespräche über eine Fortsetzung?

Dan Trachtenberg: Ich würde da sehr gerne noch mehr machen. Aber die Zuschauer müssen erst mal das Wagnis annehmen, das wir mit dem Film eingegangen sind. Dann sehen wir weiter.

FILMSTARTS: Und zuletzt – was ist mit einem neuen „Alien Vs. Predator“? Du hast ja mit der Weyland Yutani Corporation nun ein Element aus dem „Alien“-Universum in „Predator: Badlands“ eingebaut und dafür die Tür ein Stück weit geöffnet...

Dan Trachtenberg: Ich glaube, so etwas würde nicht entstehen, weil jemand sagt: „Lasst uns ,Alien Vs. Predator 3‘ machen“, sondern eher organisch – wenn sich die Geschichten, die wir erzählen, dahin entwickeln. Das Coole an „Badlands“ ist ja, dass wir ein Element aus dem anderen Franchise genommen und in „Predator“ eingeflochten haben, statt einfach beide Universen zusammenzuschmeißen.

FILMSTARTS: Ich bin froh, dass ihr das erstmal nur so behutsam macht – man merkt, dass die Welt größer wird, aber es bleibt trotzdem dein für sich stehender Film.

Dan Trachtenberg: Ganz genau.

In einem separaten Artikel haben wir uns übrigens bereits selbst ausführliche Gedanken dazu gemacht, wie es nach dem Ende von „Predator: Badlands“ mit dem Franchise weitergehen könnte. Lest doch einfach mal rein:

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