Netflix will Harry Potter, Batman und Co. – doch die Konkurrenz will das mit über 108 Milliarden Dollar verhindern
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Es ist die Antwort, die alle erwartet haben. Paramount gibt im großen Bieterkrieg mit Netflix um den Kauf von Hollywood-Studio Warner nicht auf und wendet sich jetzt mit einer irrsinnig hohen Summe direkt an die Aktionäre.

Warner Bros. / Netflix

Es schlug vergangene Woche ein, wie eine Bombe. Netflix und Warner haben sich auf eine Übernahme des Traditionsstudios durch den Streamingigganten geeinigt. Warner soll über das nächste Jahr die aktuelle Firma aufteilen, gen Ende 2026 soll Netflix dann – vorbehaltlich eventueller Einsprüche durch die Kartellbehörden – das Film- und Streamingeschäft des unter anderem auch mehrere TV-Sender kontrollierenden Medienkonzerns übernehmen.

Damit würde Netflix künftig die Rechte an Marken wie „Game Of Thrones“, „Harry Potter“ und dem DC um Figuren Batman, Superman und Co. gehören. Zudem würde man die riesige Filmbibliothek des seit über 100 Jahren existierenden Studios mit Klassikern wie „Casablanca“, „Der Zauberer von Oz“ und „Goodfellas“, Blockbuster-Hits wie „Matrix“, „Barbie“ und die „Der Herr der Ringe“-Trilogie sowie Kultfilmen wie „Blade Runner“ oder „Dirty Harry“ übernehmen.

In die Röhre schaut vorerst Paramount Skydance um Milliardär David Ellison. Der erwarb kürzlich erst Paramount, wollte mit Warner direkt nachlegen und setzte so überhaupt erst ein Wettbieten in Gang. Viele gingen davon aus, dass Ellison nicht klein begeben wird – zumal der Sohn von Larry Ellison, dem zweitreichsten Mann der Welt, sich schon im Vorfeld über angebliche Unregelmäßigkeiten rund um die Netflix-Offerte beklagte. Jetzt gibt es den erwarteten Gegenschlag.

Paramount überbietet Netflix

David Ellison und Paramount gaben bekannt, dass sie den Warner-Aktionären direkt eine Offerte unterbreiten. Sie seien bereit, 30 Dollar pro Aktie zu zahlen – und das auch noch komplett in Cash. Netflix einigte sich mit Warner auf eine Zahlung von 27,75 Dollar pro Aktie – das auch nicht komplett in Cash, sondern teilweise in Aktien am neuen Unternehmen. Netflix zahlt so 23,25 Dollar in Cash, 4,50 Dollar in Aktienanteilen.

Insgesamt würde Paramount damit 108,4 Milliarden Dollar zahlen. Laut eigener Aussage seien es zudem 18 Milliarden Dollar mehr in Cash als beim Netflix-Angebot.

Ein wichtiger Unterschied ist aber: Paramounts Angebot gilt für das gesamte Unternehmen Warner. Man übernimmt also auch TV-Stationen wie CNN, weshalb der von Paramount herausgestellte reine Vergleich der Gesamtsummen etwas kurz greift. In beiden Fällen gelten die Angebote aber auch für die Übernahme der aktuellen Schulden von Warner. Der Gesamtunternehmenswert wird also als noch einmal deutlich höher als die Angebote eingestuft.

Auf der eigens zu diesem Zweck gegründeten Webseite StrongerHollywood.com rechnen die Paramount-Verantwortlichen nicht nur vor, warum ihr Angebot finanziell besser ist, sondern auch sonstige Gründe für sie sprechen sollen. So verweist man darauf, dass eine Warner-Übernahme durch Paramount garantiert in zwölf Monaten abgeschlossen sei, während sich der Deal mit Netflix aufgrund der bereits kurz erwähnten möglichen Einsprüche von Kartellbehörden massiv verzögern werde. Zudem sei eine Übernahme durch Paramount besser für die Kinolandschaft.

Wer kauft Warner? Wie geht es weiter?

Interessant ist, dass Paramount jetzt genau das bietet, was Warner angeblich zu Beginn der Verhandlungen gefordert hat: 30 Dollar pro Aktie, möglichst viel davon in Cash. Theoretisch könnte das Unternehmen aus dem Netflix-Deal noch aussteigen und sich jetzt für Paramount entscheiden. Die kommunizierte Vereinbarung sieht eine solche Ausstiegsmöglichkeit vor – allerdings gegen eine Strafzahlung von 2,8 Milliarden Dollar.

Ob es dazu kommen wird, ist allerdings offen. Paramounts Offerte hat schon etwas von einem verzweifelten letzten Versuch. Es soll drei Bieterrunden gegeben haben, bei denen das Studio deutlich weniger bot – angeblich, weil man sich sicher war, ohnehin den Zuschlag zu bekommen. Das dürften die Warner-Verantwortlichen in bester Erinnerung haben. Sollten sie die Großaktionäre weiterhin überzeugen können, dass die Entscheidung pro Netflix für einen Teil des Unternehmens besser ist, dürfte der Deal mit dem Streamingdienst weiterhin erst einmal stehen.

Dafür spricht, dass diese Maßnahme von Paramount erwartet wurde. Netflix und Warner dürften schon im Vorfeld darüber gesprochen haben, dass man sich von diesem Angebot direkt an die Aktionäre nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Welche Rolle spielt Donald Trump?

Ob es am Ende zu einem Verkauf von Warner an Netflix kommt oder doch Paramount zum Zug kommt, lässt sich aber vorerst nicht mit Sicherheit sagen. Denn es gibt eine besondere Wild Card: Donald Trump. Da dieser ein enger Freund von Larry Ellison ist, galt es als wahrscheinlich, dass sich Trump für Paramount starkmachen wird. Doch jetzt machte die Runde, dass es ein intensives und ausführliches Treffen zwischen Netflix-Boss Ted Sarandos und dem US-Präsidenten gab. Da dies kurz vor der Bekanntgabe der geplanten Warner-Übernahme erfolgte, gehen viele Insider davon aus, dass Sarandos ausgelotet hat, dass der Deal wirklich möglich ist – wenn auch vielleicht mit zusätzlichen Vereinbarungen direkt mit dem Präsidenten. Schließlich liebt Trump nichts mehr, als einen Deal zu schließen. Und bereitwillig haben zuletzt gerade auch Medienkonzern viel Geld für extravagante Wünsche von Trump wie einen Ballsaal oder einen möglichen Triumphbogen oder seine künftige Präsidentenbibliothek gespendet.

Dazu ging Trump jetzt – pikanterweise kurz nach der Ankündigung der Paramount-Offerte – auf Distanz zu dem Unternehmen. In einer langen Schimpftirade auf seiner Plattform Truth Social regte er sich darüber auf, dass seine parteiinterne Kritikerin Marjorie Taylor Greene Sendezeit in dem Interviewformat „60 Minutes“ des zu Paramount gehörenden Senders CBS bekommen hat. Sein „echtes Problem“ sei, dass die neue Paramount-Führung erlaubt habe, dass dies gesendet wurde. Sie sei damit nicht besser als die alte Paramount-Führung.

Der US-Präsident kündigte an, mitzumischen

Es war davor überraschend, wie lange Trump nach der Ankündigung des Netflix-Deals ruhig blieb. Erst am gestrigen Sonntag äußerte der US-Präsident sich erstmals und erklärte, dass der große Marktanteil und die Macht des neuen Unternehmens im Streamingmarkt ein Problem sein könnte. Zwar nicht unerwartet, aber trotzdem interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der einstige Immobilienmogul ankündigte, persönlich in die Entscheidung der Kartellbehörden „involviert“ zu sein. Normalerweise erfolgen diese Kartellprüfungen unabhängig vom Weißen Haus. Nach Meinung vieler Beobachter machte Trump mit seiner Aussage deutlich, dass er mit seiner Macht den Ausgang eines Kartellverfahrens beeinflussen könnte. Ein klares Signal an Netflix und Paramount, mit wem man am Ende einen Deal schließen muss, wenn man Warner kaufen will.

Die Übernahmeschlacht um Warner wird also weiter toben – und es wird interessant, wer am Ende ein riesiges Portfolio an berühmten Marken bekommen wird. Es wird definitiv große Auswirkungen für uns Film- und Serienfans haben. Schließlich wird davon abhängig sein, was wir künftig wo und wie zu schauen bekommen. Trotz der Übernahme kommt Warner Streamingdienst HBO Max übrigens demnächst planmäßig nach Deutschland. Mehr dazu gibt es im folgenden Artikel:

HBO Max kommt endlich nach Deutschland: Termin, Preise, Filme und Serien und alles, was ihr zum Start wissen müsst

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