"Avatar 3" verschenkt eine Riesen-Chance, die so offensichtlich war: Diese Action hätte nicht nur mich begeistert
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Auch FILMSTARTS-Redakteur Björn Becher teilt den Hauptvorwurf an „Avatar 3: Fire And Ash“, dass Kino-Mastermind James Cameron dieses Mal zu wenig Neues bietet. Dabei hat Cameron in seinem Film dafür selbst die ideale Möglichkeit geschaffen.

Auch „Avatar 3: Fire And Ash“ hat mich beeindruckt und gerade die letzte Stunde hat mich richtig gefesselt. Hier gibt es wieder erstklassig aussehenden Action-Bombast. Doch auch ich teile den oft geäußerten Vorwurf, dass dem dritten Teil die Innovation fehlt. Während „Avatar: Aufbruch nach Pandora“ mit 3D-Optik samt epischer Welt und sensationellen Flugszenen für den Wow-Effekt sorgte, verblüfften in „Avatar 2: The Way Of Water“ die Unterwasser-Aufnahmen.

Doch „Fire And Ash“ bietet jetzt vor allem mehr von diesen bekannten Elementen: Dieses Mal gibt es halt – natürlich erneut beeindruckende – Flug- und Unterwasseraction in Hülle und Fülle. Dabei teasert James Cameron die Möglichkeit an, etwas Beeindruckendes zu schaffen. Ich sage nur: Piraten!

"Avatar 3" hätte ein episches Piraten-Abenteuer sein können

In „Avatar 3“ werden gleich zwei neue Na‛vi-Gruppen eingeführt. Da haben wir zum einen die von Peylak (David Thewlis) angeführten Windhändler. Diese sind bewusst an mittelalterliche Händlervölker wie zum Beispiel die Phönizier angelehnt, die auf Schiffen die Weltmeere bereisten.

Obwohl sie nicht über Gewässer schippern, sondern durch die Lüfte gleiten, erinnern die Schiffsunterbauten der Windhändler so durchaus an Konstruktionen aus vergangenen Zeiten auf unserer Erde – wie aber immer in Camerons Sci-Fi-Reihe ergänzt um einen fantastischen Anstrich. Hier sind dies vor allem die mystischen Gebilde irgendwo zwischen Ballon und Segel, welche die Schiffe voranbringen.

Wenn die Windhändler das erste Mal auftreten, ist dies der Wow-Effekt von „Avatar 3“. Das gigantische Hauptschiff ist ein beeindruckender Anblick. Cameron hat sich bei der Inszenierung bewusst an Klassiker des Hollywood-Abenteuerkinos orientiert – und das brachte direkt mein Kopfkino zum Rattern. Die große Bedrohung dieser Händler waren in der Realität und vor allem in Filmen schließlich Piraten. Und auch in „Fire And Ash“ wird direkt erwähnt, wie oft es zu Überfällen kommt, weswegen der Sully-Clan sich ja als Begleitschutz für die Mitreise andient.

Die Windhändler in Disney und seine verbundenen Unternehmen
Die Windhändler in "Avatar 3"

Doch dann betritt die zweite neue Na‛vi-Gruppe das Geschehen: das Asche-Volk. So spektakulär ihr Angriff auf die Händler ist, so sehr ist er für mich doch eine verschenkte Chance. Denn am Ende unterscheiden sie sich kaum von den bislang bekannten Na‛vi. Sie fliegen auf denselben Tieren und nutzen im Wesentlichen dieselben Waffen (nur halt mit Feuerpfeilen). Die Ähnlichkeit erlaubt es Neytiri (Zoe Saldaña) später ja auch, einfach nur sich und ihren Banshee ein wenig anzumalen und getarnt als vermeintliches Asche-Volk-Mitglied eine Basis zu infiltrieren. Doch das sorgt dafür, dass die Action insgesamt sehr vertraut ist. Es ähnelt den vielen Luftkämpfen im ersten Teil.

Meiner Meinung nach hat es James Cameron verpasst, uns hier „echte“ Piraten zu zeigen, die ihrerseits auf gewaltigen Schiffen unterwegs sind und die Händler angreifen. Das hätte natürlich auch an vertraute Bilder aus Klassikern wie „Unter Piratenflagge“, „Der rote Korsar“ oder „Fluch der Karibik“ erinnert.

Mit dem Setting in der Luft und ein paar Sci-Fi-Twists wäre es aber die perfekte Chance gewesen, dem Geschehen trotzdem einen neuen Touch zu verpassen. Die Kämpfe hätten auch noch mal eine ganz andere Dimension bekommen, wenn es den Angreifenden weniger um reine Zerstörung gegangen wäre, sondern sie die Schiffe der Händler und ihre Ladung wirklich hätten kapern müssen.

Wir hätten eine andere Version des Asche-Volks gebraucht

Es hätte übrigens auch inhaltlich durchaus Sinn ergeben, wenn die Asche-Leute bei ihren Überfällen auf die Händler über massive Transportmittel verfügt hätten. Schließlich erfahren wir, dass das Volk seit einem Vulkanausbruch in unwirtlicher Landschaft lebt und kaum etwas hat. Es wird zwar erklärt, dass sie von einer Zerstörungswut getrieben werden, doch es wäre auch verständlich gewesen, wenn sie stattdessen auf reiche Beute aus gewesen wären, um damit ihr Leben zu verbessern. Doch dazu hätten sie natürlich etwas gebraucht, um diese dann auch abzutransportieren.

Eigentlich finde ich es richtig blöd, einen Film für etwas zu kritisieren, dass er nicht hat, man sich aber selbst wünschen würde. Doch das Fehlen von Piraten ist hier auch gar nicht meine Hauptkritik. Ich bewerte das, was da ist: das Asche-Volk.

Dass dieses so ähnlich zum ersten, uns bereits bekannten Na‛vi-Clan ist, trägt seinen Teil dazu bei, dass „Avatar 3“ zum ersten Mal in der Reihe nicht die große Innovation, sondern einfach mehr vom Gleichen ist. Ich verstehe, dass Cameron die Feuer-Na'vi nah am Waldvolk halten wollte, weil er damit zeigt, wie ein einzelner Schicksalsschlag (Zerstörung des Lebensraums durch einen Vulkan) eine Gruppe in eine völlig andere Richtung treiben kann, doch diese Botschaft geht im Film ziemlich unter.

Ich trauere so durchaus der verpassten Chance nach, dass „Avatar: Fire And Ash“ zumindest für eine kurze Zeit ein toller Piratenfilm in der Luft hätte sein können. Sehenswert ist der dritte Teil der Reihe aber trotzdem. Davon könnt und solltet ihr euch aktuell im Kino selbst überzeugen. Denn das 3D-Epos muss man einfach auf einer großen Kinoleinwand genießen. Dass die Lichtspielhäuser den Film auch richtig präsentieren, hat James Cameron übrigens persönlich veranlasst. Wie er das getan hat, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

"Nicht leiser einstellen!" James Cameron gibt Kinos sehr klare Anweisungen, wie "Avatar 3" richtig gezeigt werden soll

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