Achtung, Spoiler! Im ganz frisch auf Netflix erschienenen „28 Years Later“ bekommt das erste Kapitel von Spikes (Alfie Williams) postapokalyptischer Coming-of-Age-Geschichte bereits einen runden Abschluss. Der Zwölfjährige hat sich von seinem ihn ständig anlügenden Vater Jamie (Aaron Taylor-Johnson) losgesagt und seine antrainierten Survival-Skills genutzt, um seine unheilbar an Krebs erkrankte Mutter Isla (Jodie Comer) über das Zombie-verseuchte Festland zum ehemaligen Arzt Dr. Kelson (Ralph Fiennes) zu lotsen. Der kann allerdings nichts anderes für Isla mehr tun, als ihr einen friedvollen Tod zu bescheren.
Spike nimmt rührend von ihr Abschied, will anschließend aber nicht zu seinem Vater und in den Schutz seiner abgeriegelten Insel-Gemeinschaft zurückkehren, sondern begibt sich stattdessen auf eine Art Selbstfindungstrip durch unbekanntes Terrain. Dabei bleibt er jedoch nicht lange alleine, sondern hat 28 Tage später (!) eine schicksalhafte Begegnung, die in ihrer Form ziemlich unerwartet daherkommt, aber schon wichtige Weichen für die bereits abgedrehte Fortsetzung „28 Years Later: The Bone Temple“ stellt...
Jack O'Connells Jimmy wird in "28 Years Later 2" wichtig
Spike trifft am Ende von „28 Years Later“ auf einen gewissen Jimmy (sein voller Rollenname lautet Sir Jimmy Crystal!) und seine abgefahrene Truppe von Überlebenden. Alle tragen sie bunte Trainingsanzüge und lange, blonde Haare, die denen von ihrem Anführer Jimmy nachempfunden sind. Man kann also womöglich eher von einem Kult als von einer gewöhnlichen Gemeinschaft reden. Mit akrobatischen Ninja-Moves machen sie kurzen, blutigen Prozess mit einer Horde von Infizierten, die Spike in eine (womöglich von Jimmys Leuten errichtete) Sackgasse gedrängt haben, woraufhin Jimmy vorschlägt, dass er und Spike doch Freunde sein können.
Wie wichtig Jimmy für die Geschichte der drei geplanten „28 Years Later“-Filme ist, wird schon dadurch angedeutet, dass Schauspieler Jack O’Connell (der zuvor als Vampir-Oberschurke im Horror-Hit „Blood & Sinners“ bleibenden bedrohlichen Eindruck hinterließ) im Abspann bereits an dritter Stelle genannt wird, obwohl er lediglich in der letzten Szene des Films auftaucht. In Teil 2 wird sich das allerdings ändern und Jimmy zu einer der wichtigsten Figuren werden. Erwartet uns nach dem aberwitzigen Epilog mit ihm am Ende von Teil 1 deshalb nun ein tonal völlig anderes Sequel mit Fokus auf einen überzeichneten Kampfsportkrieg gegen die Zombies?
Das ist eher unwahrscheinlich. Die Mitglieder aus Jimmys Truppe sind in Wahrheit nämlich alles andere als die bunten Clowns, als die sie sich offenbar gerne geben. Dass sie es durchaus ernst meinen und zu perfiden Mitteln greifen, wenn sich jemand gegen sie stellt, wurde nämlich bereits früher im Film nahegelegt. Wir erinnern uns: In einer Szene im ersten Akt treffen Spike und sein Vater Jamie in einem verfallenen Haus auf einen kopfüber aufgehängten Mann, der den Infizierten zum Fraß überlassen wurde (und infolgedessen selbst zu einem geworden ist).
Dass Jimmy und Co. dafür verantwortlich sind, wird daran deutlich, dass sein Name in die Haut des Mannes geritzt wurde. Hinter Jimmys lächelnder Fassade scheint es also zu brodeln und das ist angesichts eines absolut traumatischen Kindheitserlebnisses vielleicht auch gar nicht so verwunderlich. Denn tatsächlich sehen wir Jimmy am Schluss von „28 Years Later“ nicht zum ersten Mal...
Jimmy war schon im "28 Years Later"-Prolog zu sehen
So ist Jimmy bereits in der während des Ausbruchs der Wut-Virus-Epidemie spielenden Eröffnungsszene als kleiner Junge zu sehen, der als Einziger aus seiner Familie die dramatischen Ereignisse überlebt und dabei mit ansehen muss, wie alle anderen den Infizierten zum Opfer fallen. Besonders verstörend ist dabei die Szene in einer Kirche, in der er angsterfüllt seinen Vater (Sandy Batchelor) aufsucht, der als fanatischer Pastor die Zombies und das in seinen Augen durch sie herbeigeführte Jüngste Gericht mit offenen Armen empfängt. Bevor sich Jimmy vor den Schrecken verstecken kann, bekommt er von seinem Vater noch dessen Kreuz-Kette überreicht, die er am Ende als Erwachsener um seinen Hals trägt.
Ob damit auch der Fanatismus seines Vaters ein Stück weit auf ihn übergeschwappt ist und wie ihn die schockierenden Ereignisse sonst noch geprägt haben, werden wir dann wohl in „28 Years Later: The Bone Temple“ erfahren, wenn wir seinen Kult noch mehr in Aktion erleben. Es ist sogar gut denkbar, dass Spike sich mit deren brutalen Methoden nicht gerade anfreunden kann und sich Jimmy somit letztlich gar zum Feind macht. Nachdem es im ersten „28 Years Later“ primär um den Kampf gegen die Infizierten ging, dürfte in „The Bone Temple“ also der im Zombie-Sub-Genre gerne bemühte Konflikt zwischen den menschlichen Überlebenden stärker in den Fokus rücken.
Ralph Fiennes in "28 Years Later 2" wieder dabei – aber auch Aaron Taylor-Johnson?
Spike wird somit in „28 Years Later: The Bone Temple“ wieder prominent vorkommen. Aber was ist mit dessen Vater Jamie? Obgleich es eigentlich gegen die Wir-starten-keine-Rettungsaktionen-Politik seiner Gemeinschaft verstößt, ist davon auszugehen, dass sich Jamie früher oder später auf die Suche nach seinem Sohn begibt. Cast-Listen und die Trailer zu Teil 2 deuten jedoch darauf hin, dass das noch nicht in Teil 2, sondern womöglich erst im dritten Teil passiert.
Definitiv schon in Teil 2 wieder wichtig wird der von Ralph Fiennes gespielte Dr. Kelson. Bereits der Titel „The Bone Temple“ verweist auf das eindrucksvolle Schädel- und Knochenmonument, das Kelson in Gedenken an die Toten (sowohl auf Menschen- als auch auf Infizierten-Seite) errichtet hat. Und wie die Vorschauen zu „28 Years Later 2“ nahelegen, wird nicht nur Kelson ein wichtiges Element der Handlung sein, sondern auch seine Beziehung zum von ihm Samson getauften Alpha-Zombie (Chi Lewis-Parry). Hegt der ehemalige Arzt womöglich die Hoffnung, dass hinter Samsons Berserker-Wut doch noch irgendwo etwas Menschliches steckt?
Comeback von "28 Days Later"-Star Cillian Murphy als Jim
Spannend wird auch, wie sich die „28 Days Later“-Hauptfigur Jim in all das einfügt. Bekannt ist nämlich schon, dass diese in „28 Years Later: The Bone Temple“ zurückkehren wird, erneut gespielt vom mittlerweile zum Oscarpreisträger gewordenen „Oppenheimer“-Star Cillian Murphy. Jim und seine Mitüberlebenden Selena (Naomie Harris) und Hannah (Megan Burns) haben sich einst am Ende von „28 Days Later“ – zu einer Zeit, als Menschen offenbar noch aus dem Virus-Ursprungsland Großbritannien evakuiert und nicht bloß ihrem Schicksal überlassen wurden – gerettet zu werden.
War das womöglich doch nicht der Fall und Jim ist nun ebenso wie der Rest der britischen Bevölkerung in Quarantäne auf dem Inselstaat? Oder kehrt er vielleicht freiwillig dahin zurück, um sich als jemand, der die Schrecken dort aus erster Hand erfahren hat, dafür einzusetzen, dass endlich etwas gegen das Virus und für die Menschen getan wird, die vom Rest der Welt einfach so abgeschrieben wurden?
Was wird aus dem (Nicht-)Zombie-Baby?
Kommt hier möglicherweise sogar das Baby ins Spiel, das im Laufe von „28 Years Later“ von einer Infizierten geboren und von Spike dann bei seiner alten Inselgemeinschaft abgeliefert wurde? Dass der Säugling trotz seiner Herkunft nämlich selbst nicht infiziert wird, könnte bedeuten, dass er in seinem Blut den Schlüssel für eine mögliche Heilung gegen das Wut-Virus und somit für dessen endgültige Ausrottung trägt.
Vielleicht wird dieser potenzielle Handlungsstrang dann aber auch erst im angedachten „28 Years Later 3“ verfolgt. So gab Regisseur Danny Boyle bereits zu verstehen, dass Jim in Teil 2 nur kurz auftreten, bevor er dann in Teil 3 eine ganz entscheidende Rolle spielen soll (ähnlich wie nun Jack O‘Connell bei Teil 1 und 2). Beim Trilogie-Abschluss will Boyle dann einmal mehr selbst auf dem Regiestuhl Platz nehmen.
Teil 2 lässt nun auch nicht mehr lange auf sich warten. Der von „Candyman“- und „The Marvels“-Regisseurin Nia DaCosta inszenierte und erneut von Alex Garland geschriebene „28 Years Later: The Bone Temple“ startet bereits am 15. Januar 2026 (und damit nur etwas mehr als 28 Wochen nach dem Vorgänger) in den deutschen Kinos.
Einige Reaktionen zur Fortsetzung haben nach ersten Vorführungen bereits ihren Weg ins Netz gefunden. Wie euphorisch diese ausfallen, könnt ihr im folgenden Artikel nachlesen:
Die ersten Reaktionen zu "28 Years Later: The Bone Temple" sind da! So kommt die Zombie-Fortsetzung beim Publikum anDies ist eine anlässlich der Netflix-Veröffentlichung von „28 Years Later“ aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits zuvor auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.