Welcher Regisseur ist eigentlich der größte und beste aller Zeiten? Auf diese Frage gibt es viele Antworten – und zu den meistgenannten Namen zählen mit Sicherheit Martin Scorsese und Steven Spielberg. Auch Clint Eastwood, der zwei Regie-Oscars im Regal stehen hat (für „Erbarmungslos“ und „Million Dollar Baby“), ist ein ernstzunehmender Kandidat für diese Auszeichnung. Doch welchen Filmemacher bewundern eigentlich diese lebenden Legenden des Kinos am allermeisten?
Tatsächlich gibt es eine Regie-Größe, die von Scorsese, Spielberg und Eastwood gleichermaßen verehrt wird: die Rede ist von John Ford, der zwischen 1917 und 1966 mehr als 140 (!) Filme inszeniert hat – die genaue Anzahl varriert je nach Quelle.
Von seinen frühen Regiearbeiten sind mittlerweile leider rund 50 verschollen. Bekannt ist die Hollywood-Ikone, die übrigens mehr Oscars gewonnen hat als jeder andere Regisseur (mehr dazu hier), aber ohnehin vor allem für ihre zahlreichen Western-Klassiker, viele davon mit John Wayne in der Hauptrolle – von „Ringo“ (1939) über „Der schwarze Falke“ (1956) bis hin zu „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ (1962).
Clint Eastwood sah manche Filme von John Ford zweimal hintereinander ...
Auch Eastwood assoziieren die meisten Filmfans zuerst mit dem Western-Genre – schließlich hatte der heute 95-Jährige mit Sergio Leones berühmter Dollar-Trilogie seinen großen Durchbruch als Schauspieler, bevor er selbst mehrere Western (mit sich in der Hauptrolle) in Szene setzte, darunter „Ein Fremder ohne Namen“ oder „Der Texaner“. Kein Wunder, dass John Ford zu seinen großen Vorbildern zählt. Gegenüber der Directors Guild Of America äußerte sich Eastwood wie folgt über sein Idol:
„Jeder wäre geschmeichelt, im selben Atemzug wie John Ford genannt zu werden. Ich erinnere mich, ‚Ringo‘ als Kind gesehen zu haben, als der Film gerade herauskam. Ford hat mich unterbewusst beeinflusst. Ich sah seine Filme in dunklen Kinos, die Knie auf den Vordersitz gestützt – manchmal sogar zweimal direkt hintereinander.“
... Martin Scorsese hält den Meisterregisseur für "unerreicht" ...
Scorsese hat das uramerikanische Genre mit „Killers Of The Flower Moon“ immerhin einmal gestreift – einen vollwertigen Western sucht man in der Filmografie des „Taxi Driver“-Schöpfers allerdings vergeblich. Seiner Bewunderung für Ford tut diese Tatsache allerdings keinen Abbruch. Mehrmals hat er so über den Einfluss gesprochen, den „Der schwarze Falke“ auf sein Werk ausgeübt hat (wir berichteten).
„John Ford ist der einzige Regisseur, der einen Western drehen konnte, der zugleich von Amerika, von Moral, von Menschen und von Mythos handelt“, schwärmte der „GoodFellas“-Macher in einem Interview (via Far Out Magazine). „Er war unerreicht.“
... und Steven Spielberg ließ ihn sogar in einem seiner Filme auftreten!
Und dann ist da noch Steven Spielberg, der in Ford bis heute seine Haupt-Inspiration sieht. So schaut er sich nach eigenen Angaben jedes Mal, bevor er ein neues Filmprojekt in Angriff nimmt, erst einmal „Der schwarze Falke“ an. Im Alter von 15 Jahren durfte er seinen Helden sogar einmal treffen – und stellte diese prägende Begegnung später in seinem autobiografischen Film „Die Fabelmans“ nach, wobei niemand Geringeres als der 2025 verstorbene Regie-Meister David Lynch John Ford sein Gesicht (und seine charakteristische Stimme) lieh.
Universal Pictures
Wer sich ernsthaft für Kino interessiert, kommt um eine Beschäftigung mit John Ford also nicht herum. Übrigens lohnen sich längst nicht nur die Western-Filme des Regisseurs – exemplarisch dafür steht, dass Ford keinen einzigen seiner vier Oscars für einen Wildwest-Film gewonnen hat, sondern er stattdessen für „Der Verräter“, „Früchte des Zorns“, „So grün war mein Tal“ und „Der Sieger“ (einer seiner wenigen Nicht-Western mit John Wayne) ausgezeichnet wurde.
Der Autor dieser Zeilen hat in den letzten Jahren einige der weniger populären Filme von John Ford gesehen und sich erst darüber so richtig in den Filmemacher verliebt – Meisterwerke wie „Mit Volldampf voraus“, „… dann kam der Orkan“ oder „Mit Leib und Seele“ fristen heute völlig zu Unrecht ein Schattendasein.
Wenn ihr wissen wollt, welches Dreieinhalbstunden-Epos u.a. von Quentin Tarantino, Steven Spielberg und George Lucas bewundert wird, dann lest doch direkt im nachfolgenden Artikel weiter:
3 Stunden und 26 Minuten pures Kino: Quentin Tarantino, Steven Spielberg und George Lucas verehren dieses Meisterwerk