"Die beste Erfahrung meines Lebens": Diesen Film hat John Wayne am allermeisten genossen
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Er sollte zunächst gar nicht in ihm mitspielen, und seinem Ko-Star wurde geraten, wegen John Wayne aus dem Projekt wieder auszusteigen. Und dennoch wurde das Western-Drama „Die Cowboys“ zu einem Glücksmoment im Leben des Schauspielstars.

Der aus Klassikern wie „Der schwarze Falke“ und „Der Mann, der Liberty Valance“ bekannte John Wayne ist eine regelrechte Ikone des Western-Genres, war aber auch eine ungeheuerlich streitbare Persönlichkeit. Während etwa die von Steven Spielberg gefeierte Regiegröße John Ford gerne und oft mit Wayne zusammenarbeitete, bezeichnete der nicht minder namhafte „African Queen“-Regisseur John Huston seine erste und einzige Kooperation mit dem Schauspieler als „furchtbaren Fehler“ (mehr dazu).

Und auch Wayne hielt nicht mit seinen Meinungen zurück. Mal verglich er Filme seiner Kollegen mit Säureattacken, andere Male schimpfte er über Ko-Stars, die sich in seinen Augen „verdammt peinlich“ aufführten. Doch Wayne grummelte nicht nur, sondern war ebenso gewillt, in höchsten Tönen zu schwärmen. Besonders warm äußerte er sich, wenn es um eines seiner Spätwerke ging: John Wayne nannte „Die Cowboys“ sogar „die beste Erfahrung meines Lebens“!

Wenn ihr den vom Western-Superstar gefeierten Film sehen möchtet: „Die Cowboys“ ist unter anderem bei Amazon Prime Video als VOD verfügbar.

Darum geht es in "Die Cowboys"

Der in die Jahre gekommene Rinderzüchter Wil Andersen (John Wayne) steht vor dem alljährlichen, alles entscheidenden Viehtrieb ohne tatkräftige, kompetente Hilfe da: Seine Leute sind aufgebrochen, um Gold zu suchen. Notgedrungen heuert der Rancher für den 640 Kilometer langen Treck eine elfköpfige Gruppe aus Schuljungen an, über die als Erwachsene einzig Andersen und der Koch Jebediah Nightlinger (Roscoe Lee Browne) wachen.

Erwartungsgemäß sind die Teenies eingangs völlig von der kräftezehrenden, gefährlichen Arbeit überfordert. Nach und nach offenbaren sie sich aber durch die Anleitung Andersens als vielversprechender Cowboynachwuchs – jedenfalls, bis eine Bande schwerbewaffneter Viehdiebe aufkreuzt, die von einem wahrlich hartnäckigen Ganoven (Bruce Dern) angeführt wird...

Wayne war zuerst unerwünscht, dann blühte er auf

Die Arbeiten an „Die Cowboys“ nahmen ihren Anfang unter schlechten Bedingungen. Beispielsweise wollten Freunde Browne dazu drängen, das Projekt auszuschlagen, da sie sich darum sorgten, wie der überzeugte, erzkonservative Republikaner Wayne mit dem afroamerikanischen „Topas“-Nebendarsteller umspringen wird. Laut Browne machte es sich jedoch bezahlt, die Warnungen seines Umfelds zu ignorieren:

Er und Wayne hätten lediglich kurz besprochen, politischen Debatten aus dem Weg zu gehen. Daraufhin verschönerten sie sich die Dreharbeiten damit, ihrer gemeinsamen Passion für Poesie nachzugehen und sich im Rezitieren geliebter Verse zu überbieten. Zuvor sträubte sich bereits Regisseur Mark Rydell („Am goldenen See“) dagegen, Wayne für „Die Cowboys“ anzuheuern – und zwar aus einer ähnlichen Sorge heraus: Der liberale Musiker fürchtete, bei der Zusammenarbeit mit dem ihm politisch konträr ausgerichteten Wayne in ein Wespennest zu stechen. Da Wayne einst Filmschaffende aufgrund ihrer Politik aus Hollywood scheuchen ließ, war dies keine völlig unbegründete Sorge.

Doch in den frühen 1970ern schien Wayne milder geworden zu sein: Ein respektvolles Treffen zwischen Rydell und Wayne inklusive Abmachung, sich nicht über Parteipolitik, sondern ausschließlich über Kunst zu unterhalten, reichte aus. Schon änderte sich Rydells Meinung über Wayne – detaillierter erläutern wir euch diesen Vorfall im folgenden Artikel:

"Ich wollte ihn nicht": Dieser Regisseur wurde dazu gezwungen, mit Western-Ikone John Wayne zusammenzuarbeiten

Die Aussprache zwischen Rydell und Wayne machte sich bezahlt: „Die Cowboys“ wurde zum Kassenschlager, der sogar eine 1974 gestartete TV-Serie (wenngleich ohne Wayne) nach sich zog. Und während zeitgenössische Kritiken eher durchwachsen ausfielen, reifte das Western-Drama seither zum geschätzten Klassiker heran, dem ein Historiker obendrein zuschreibt, der realistischste Vertreter seines Genres zu sein (mehr dazu)!

Der mit Musik von John Williams untermalte Western ist allerdings auch aus einem anderen Grund denkwürdig: Von keinen anderen Dreharbeiten schwärmte Wayne in derart hohen Tönen wie von der „Die Cowboys“-Entstehungszeit! Filmkritiker und -historiker Emanuel Levy zitierte Wayne in seiner Biografie „John Wayne: Prophet Of The American Way Of Life“* sogar, der Filmdreh sei „die beste Erfahrung meines Lebens“ gewesen – und das, obwohl er sich mit elf minderjährigen, vor unbändiger Energie trotzenden Ko-Stars stellen musste.

Und wenn ihr wissen wollt, für welche Hollywood-Ikone Wayne nur Lob übrig hatte, solltet ihr euch unbedingt unseren folgenden Beitrag durchlesen:

"Er kann einfach alles": John Wayne hielt diese Hollywood-Ikone für den besten Schauspieler der Welt

*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.

facebook Tweet
Das könnte dich auch interessieren