2024 sorgte Demi Moore mit ihrer entwaffnenden Performance im Body-Horror „The Substance“ für Aufsehen. Sie spielt darin eine alternde Film-Diva, die eine jüngere Version von sich selbst erzeugt. Die Anspielungen auf den in unserer Gesellschaft grassierenden Jugendwahn und den allgegenwärtigen, durch Social Media befeuerten Schönheitskult sind offenkundig. Überhaupt haben sich in der Kinogeschichte sehr häufig Filme satirisch überspitzt mit den Lasten (und Lastern) des Alters und der Konkurrenz durch die „Jugend“ befasst. Beste Beispiele: die Komödie „Heartbreakers“ mit Sigourney Weaver und Jennifer Love Hewitt sowie Paolo Sorrentinos Dramedy „Ewige Jugend“.
Nach Selbstoptimierung und einer nie verblassenden Attraktivität sehnen sich auch Meryl Streep und Goldie Hawn in der mit Horror-Elementen angereicherten Fantasy-Komödie „Der Tod steht ihr gut“ von 1992. Ein Film, der sich, über 30 Jahre vor „The Substance“, mit makabrem Humor und überzeichneten Darstellungen über unrealistische Schönheitsideale und die Oberflächlichkeit der Show-Branche lustig macht. Ein Werk zudem, das wunderbar (und da wären wir wieder beim Kernthema) „gealtert“ ist und nichts an Aktualität eingebüßt hat.
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Kompromisslos und bitterböse: Das ist „Der Tod steht ihr gut“
14 Jahre ist es her, dass Helen (Goldie Hawn) von ihrem Verlobten, dem Schönheitschirurgen Ernest Menville (Bruce Willis), verlassen wurde. Wie schon früher zu Schulzeiten hat Helen ihren Ex an die verhasste Schauspielerin Madeline Ashton (Meryl Streep) verloren. Nun sinnt sie auf Rache: Sie will sich Ernest zurückholen und diesen zum Mord an Madeline anstiften. Die Chancen dafür stehen gut, denn Helen ist den letzten Jahren nicht gealtert. Im Gegenteil: Sie ist höllisch attraktiv und sieht 25 Jahre jünger aus. Madeline kommt schon bald hinter das Geheimnis ihrer Konkurrentin. Helen hat ein mysteriöses Zauberelixier geschluckt, das den Alterungsprozess stoppt. Es dauert nicht lange und auch Madeline nimmt das Elixier – mit dramatischen (Langzeit-)Folgen.
Am 9. Dezember 1991 fiel die erste Klappe zu Robert Zemeckis‘ neuntem abendfüllenden Film. Zu jener Zeit gehörte der US-Amerikaner zu den populärsten und gefragtesten Regisseuren, entstand unter seiner Verantwortung ab 1985 mit „Zurück in die Zukunft“ schließlich eine der bis dahin erfolgreichsten Film-Reihen überhaupt. Und so hatte er für sein neuestes Projekt freie Hand, weshalb er gleich eine ganze Riege an namhaften Kollegen verpflichtete. Darunter Drehbuchautor David Koepp („Boy Soldiers“), der oscarprämierte Cutter Arthur Schmidt („Falsches Spiel mit Roger Rabbit“) und Komponist Alan Silvestri („Predator“, „The Abyss“).
„I want to be forever young“
Wie kein Film davor und danach geht „Der Tod steht ihr gut“ hart und unnachgiebig mit Hollywood und der glatt polierten Glitzerwelt der Schönen und Reichen ins Gericht. Im Zentrum der Story stehen zwei erbitterte Widersacherinnen, die gegen den optischen Verfall kämpfen – und längst Vergangenem, nämlich ihrer Jugend, hinterherhecheln. Koste es, was es wolle. Die deutsche Synthie-Pop-Band Alphaville sang in den 80er-Jahren: „Forever young – I want to be forever young“.
Dies machen Helen und Madeline zu ihrem Credo. „Wir sind sterblich und unterliegen den Gesetzen der Natur“, lautet ein zentraler Satz des Films. Doch die Beiden sehen es gar nicht ein, sich diesen „Gesetzen“ zu beugen. Doch den um die Gunst von Ernest kämpfenden Diven wird das Streben nach Makellosigkeit zum Verhängnis. Denn das Zauberelixier macht all jene, die es einnehmen, unsterblich.
Die Message von „Der Tod steht ihr gut“ ist wenig subtil aber umso nachdrücklicher: Wer die eigene Vergänglichkeit sowie den mit dem Älterwerden einhergehenden, optischen Verfall nicht akzeptiert, hat ein Problem. Therapeuten und Life-Coaches sprechen oft von radikaler Selbstannahme. Beim Thema „Altern“ ist es umso ratsamer. All diese Botschaften sind universell und zeitlos, zudem behandelt Zemeckis‘ Kassenhit (Einspielergebnis: knapp 150 Millionen Dollar) unterschwellig weitere, tiefgründigere Themen. Dazu zählen Einsamkeit, Missgunst sowie verletzte Eitelkeiten. Und die Frage, wie ein von Fragilität, Selbsthass und Unsicherheit geprägtes Selbstbild entstehen kann.
Schaufel-Duell und ein durchlöcherter Bauch
Nach gemächlichem Beginn zieht Zemeckis das Tempo ab der zweiten Hälfte ordentlich an. Von pechschwarzem Humor durchzogen, entfesselt er ein groteskes, mit absurden Zufällen angereichertes Duell zwischen zwei Frauen, die alle Register ziehen. Immer brutaler und unnachgiebiger bekriegen sie sich, wobei die zur Anwendung kommenden Waffen zunehmend tödlicher werden. Unvergessen: Ein hysterisches Fechtduell mit (ziemlich unhandlichen) Schaufeln und jene ebenso schräge wie drastische Szene, in der Madeline Helen mit einem Schrotgewehr ein Loch in ihren Bauch schießt. Zum unbeteiligten Statisten verkommt da fast Bruce Willis als bemitleidenswerter Ernest, der zwischen die Fronten gerät.
Als verunsicherter Mittvierziger, der seinen früheren Erfolgen als Arzt hinterhertrauert, überzeugt Willis mit feinfühliger Performance und überraschend facettenreichem Mimikspiel – kannte man ihn bis dato doch vor allem als rabiat zur Sachen gehenden, kernigen Actionhelden aus Filmen wie „Stirb Langsam“ und „Last Boy Scout“.
Überhaupt die erlesene Besetzung: Neben Willis gefallen die beiden hemmungslos und lustvoll agierenden Hauptdarstellerinnen. Ihre physische und emotionale Höllenfahrt spielen die Hollywood-Stars Goldie Hawn und Meryl Streep – bei aller Überdrehtheit – glaubhaft und ausdrucksstark. In Nebenrollen sehen wir weitere Hochkaräter, etwa Star-Regisseur Sydney Pollack („Tootsie“) und Isabelle Rossellini („Blue Velvet“) als durchtriebene Magierin, die das geheimnisvolle und schicksalhafte Elixier an ihre wohlhabende Kundschaft verkauft.
Animatronik trifft auf CGI-Haut: Oscar für die besten Effekte
Im Gedächtnis bleibt „Der Tod steht ihr gut“ aber vor allem wegen der visuellen Originalität und der fantastisch aussehenden Trickeffekte, die ihrer Zeit voraus waren. Die Effekte-Künstler kombinierten Computeranimationen aus dem Hause „Industrial Light and Magic“ („Star Wars“) mit aufwendigem Make-up-Design, handgefertigten Masken und animatronischen Modellen. In der berühmten, aberwitzigen Szene, in der Madelines Kopf nach einem heftigen Schlag mit der Schaufel regelrecht in ihr Genick gequetscht wird, kamen gar erstmals CGI-Hauttexturen zum Einsatz. Erst nach „Der Tod steht ihr gut“ wurde die Technik zum Standard. Bei all diesem Aufwand und Einfallsreichtum überraschte es kaum, dass der Film 1993 mit einem Oscar für die „Besten Visuelle Effekte“ ausgezeichnet wurde.
Bruce Willis beweist in „Der Tod steht ihr gut“ sein Talent für gut getimte Comedy und Selbstironie. Lest nachfolgend, in welchen Film-Klassikern einer der größten Hollywood-Stars aller Zeiten noch gerne mitgespielt hätte:
"Die Liste ließe sich ewig fortführen": Bruce Willis enthüllt, in welchen Filmen er gerne mitgespielt hätte*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision. Dieser Artikel basiert auf einem bereits auf FILMSTARTS erschienenen Beitrag.