Während manche Urfassungen von bestimmten Filmen – wie etwa der verstörende Director's Cut von „Event Horizon“ – wohl für immer verschollen bleiben, lohnt sich in anderen Fällen Geduld. Nachdem so etwa Zack Snyder irgendwann doch noch die Möglichkeit bekam, seine eigene „Justice League“-Vision zu realisieren, haben heute Fans von Quentin Tarantino allen Grund dazu, Luftsprünge zu machen!
Der zehnte und letzte Film des „Pulp Fiction“-Machers, bei dem es sich nun doch nicht um „The Movie Critic“ handeln wird, lässt zwar erst einmal weiter auf sich warten. Dafür dürfen wir uns sechs Jahre nach seinem Meisterwerk „Once Upon A Time In Hollywood“ aber wenigstens über die in neuem Glanz erstrahlenden Kult-Klassiker des Ausnahmefilmers freuen. Während neben „Pulp Fiction“ hierzulande so etwa bereits „Reservoir Dogs“ und „Inglourious Basterds“ eine 4K-Frischzellenkur erhielten, wurden in Großbritannien und den USA auch schon „Jackie Brown“ sowie „Kill Bill Vol. 1“ und „Kill Bill Vol. 2“ in Ultra-HD veröffentlicht. Die letzteren beiden Filme sind es nun außerdem, die endlich in jener Schnittfassung erscheinen, die dem Regisseur schon immer vorschwebte.
Quentin Tarantino bringt "Kill Bill: The Whole Bloody Affair" ins Kino
Der Zweiteiler, in dem die von Uma Thurman gespielte „Braut“ ausgerechnet am Tag ihrer Hochzeit ein brutales Massaker als einzige überlebt und schließlich auf Rachefeldzug geht, kam zweigeteilt – im Oktober 2003 sowie April 2004 – in die Kinos, wobei vor allem Teil 1 für Begeisterung sorgte (und für den Verfasser dieses Artikels sogar zu den zehn besten Filmen aller Zeiten zählt).
Mit seinen Äußerungen, nach zehn Filmen aufzuhören, löste Tarantino einst vor allem eine Diskussion aus: Hatte er nicht schon zehn Werke verantwortet?! Nun, nicht, wenn es nach dem Regisseur selbst geht. Denn während die Allgemeinheit die Vergeltungssaga grundsätzlich als Double Feature wahrnimmt, betrachtet Quentin Tarantino „Kill Bill“ seit jeher als einen Film. Und damit wir es ihm in Zukunft vielleicht gleichtun, geht der Regisseur nun endlich den entscheidenden Schritt, auf den viele Fans des Martial-Arts-Rache-Epos seit jeher warten.
Eine halbe Ewigkeit nachdem der zweifache Oscarpreisträger erstmals von seiner ursprünglichen Vision sprach, wird Tarantino am 5. Dezember 2025 tatsächlich „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ in die US-Kinos bringen! Dabei handelt es sich um einen rund vierstündigen Zusammenschnitt der beiden Kapitel, die damit endlich wieder zusammenfinden. Nähere Details zu einem deutschen Kinostart oder einer später folgenden Heimkino-Auswertung sind bis dato nicht bekannt.
"Kill Bill": Diese Änderungen erwarten uns in "The Whole Bloody Affair"
Ähnlich wie auch schon im Falle von „Grindhouse“ – die Exploitation-Sause bestehend aus Tarantinos „Death Proof“ und Robert Rodriguez' „Planet Terror“ ist sowohl im Doppel als auch zweigeteilt erschienen – wird es sich auch in diesem Fall nicht um ein bloßes Hintereinanderreihen der beiden Solo-Filme handeln und zu kleinen Änderungen kommen:
Der Cliffhanger aus dem ersten Film wird ebenso wie die Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse zum Beginn des zweiten Films fehlen. Dafür kommt eine bislang unveröffentlichte, animierte Sequenz (ca. siebeneinhalb Minuten) neu hinzu – sodass „The Whole Bloody Affair“ am Ende gut und gerne vier Stunden gehen wird!
„Ich habe es als einen Film geschrieben und inszeniert – dementsprechend froh bin ich, den Fans die Möglichkeit zu geben, ihn auch als einen Film zu sehen“, wird Tarantino unter anderem von Deadline zitiert – und verspricht darüber hinaus „Blut und Eingeweide in all ihrer Pracht auf der großen Leinwand“.
Nicht ganz klar ist, in welcher Variante der Showdown zwischen der Braut und den Crazy 88s vorliegen wird. Wir erinnern uns: Ein beträchtlicher Teil des Schwertkampfes, der zum gigantischen Splatter-Spektakel mutiert, ist in der uns bekannten Fassung in Schwarz-Weiß. Darüber hinaus gibt es allerdings auch eine Komplett-Farbfassung, die bislang allerdings nur für den japanischen Markt ausgewertet wurde. Die DVD gibt's unter anderem als Collector's Edition – und ist auch auf herkömmlichen deutschen Playern abspielbar (eine deutsche Tonspur ist allerdings nicht mit an Bord):
Webedia GmbH / Daniel Fabian