"Es herrschte ein Ausmaß an Wahnsinn, das nie übertroffen werden wird": Dieser Gangsterfilm wurde für Richard Gere zum absoluten Albtraum
Michael Bendix
Michael Bendix
-Redakteur
Schaut pro Jahr mehrere hundert Filme und bricht niemals einen ab. Liebt das Kino in seiner Gesamtheit: von Action bis Musical, von Horror bis Komödie, vom alten Hollywood bis zum jüngsten "Mission: Impossible"-Blockbuster.

Vor über 40 Jahren drehte „Der Pate“-Regisseur Francis Ford Coppola einen weiteren Gangsterfilm – mit Richard Gere in der Hauptrolle. Doch dabei ging nahezu alles schief, was nur schiefgehen kann...

Wenn man Richard Gere so zuhört, hat man manchmal das Gefühl, der Schauspieler sei mit seiner Karriere alles andere als glücklich. Schließlich bereut der Hollywood-Superstar zahlreiche Filme, in denen er in den vergangenen 50 Jahren zu sehen war – darunter sogar einige seiner größten Erfolge! „Ein Offizier und Gentleman“ hätte er so nach eigenen Aussagen am liebsten nie gedreht, während er auch für den RomCom-Klassiker „Pretty Womanabsolut nichts übrig hat. Und dann ist da noch ein 80er-Jahre-Gangsterfilm, für den Gere mit einer absoluten Regie-Legende zusammenarbeitete: „Cotton Club“ von Francis Ford Coppola.

Cotton Club
Cotton Club
Starttermin 22. Februar 1985 | 2 Std. 10 Min.
Von Francis Ford Coppola
Mit Ralph Brown (II), Christopher Lewis (II), Richard Gere
Pressekritiken
4,0
User-Wertung
3,6
Filmstarts
4,0

In den 1970er-Jahren hatte Coppola mit „Der Pate“ nicht nur den berühmtesten (und womöglich auch besten) Gangsterfilm aller Zeiten geschaffen – ihm war auch das seltene Kunststück gelungen, nur zwei Jahre später einen absolut ebenbürtigen Nachfolger ins Kino zu bringen: Auch „Der Pate 2“ wurde zum Kassenschlager, Kritikerliebling und Klassiker – und wie sein Vorgänger räumte auch er (neben fünf weiteren Trophäen) den Oscar als Bester Film ab.

Eine Dekade nach diesem Triumph war Coppolas Karriere an einem anderen Punkt: Zwar zeichnete der heute 86-Jährige mit „Apocalypse Now“ (1979) für einen weiteren Meilenstein der Filmgeschichte verantwortlich, doch die legendär katastrophalen Dreharbeiten brachten ihn an den Rand des finanziellen Ruins.

Nachdem sich Anfang der 1980er-Jahre auch das mit großem Aufwand inszenierte Musical „Einer mit Herz“ als Box-Office-Katastrophe erwiesen hatte, wurde es für Coppola zunehmend schwierig, seine ambitionierten Visionen auf die Leinwand zu bringen. Im Folgenden musste er sich mit Auftragsarbeiten über Wasser halten, darunter „Die Outsider“, „Rumble Fish“ und eben auch „Cotton Club“ (1984).

Mit "Cotton Club" wollte Francis Ford Coppola an seine große Zeit anknüpfen ...

Auch wenn die von Produzent Robert Evans initiierte Produktion ursprünglich für Robert Altman („Nashville“) gedacht war und Coppola erst spät als Regisseur dazustieß, knüpfte der „Megalopolis“-Schöpfer große Hoffnungen an den Film. Schließlich bekam er ein stattliches Budget an die Hand, um „Cotton Club“ weitestgehend nach seinen Vorstellungen umzusetzen. Als musikgetriebener Gangster- sowie opulenter Ausstattungsfilm hatte das im New Yorker Nachtleben der 1920er-Jahre angesiedelte Werk das Zeug zu einem echten Prestige-Projekt, das Coppolas Karriere im Idealfall wieder in die Spur gebracht hätte. Trotz Stars wie Richard Gere, Diane Lane, Bob Hoskins oder Nicolas Cage kam es nicht dazu...

„Cotton Club“, der sich um einen aufstrebenden Jazzmusiker und seine Verstrickung ins organisierte Verbrechen dreht, spülte nicht einmal 26 Millionen US-Dollar in die Kinokassen – und damit weniger als die Hälfte seines Produktionsbudgets. Die Kritiken fielen durchwachsen aus, wohl nicht zuletzt deshalb, weil er sich (nicht ganz fairen) Vergleichen mit den beiden „Der Pate“-Meisterwerken stellen musste.

... doch nicht nur für Richard Gere war die Arbeit an dem Film ein Albtraum!

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Dreharbeiten zu „Cotton Club“ alles andere als reibungslos verliefen. Ähnlich wie bei „Einer mit Herz“ sprengte er das veranschlagte Budget bei Weitem, was ihn schließlich zur Anmeldung der Insolvenz seiner Produktionsfirma American Zoetrope zwang.

Zudem geriet die Produktion immer wieder durch ihre Verbindungen zur realen Unterwelt in die Schlagzeilen: Der Finanzier des Films, Roy Radin, wurde ermordet, was zu einem aufsehenerregenden Mordprozess führte. Dabei geriet auch Produzent Robert Evans in die Ermittlungen und musste vor Gericht die Aussage verweigern, um sich nicht selbst zu belasten. Währenddessen versuchte Coppola unermüdlich, das chaotische Set, die Auseinandersetzungen mit seinen Hauptdarstellern und die eskalierenden Kosten unter Kontrolle zu halten.

Richard Gere gab später in einem Interview mit der Los Angeles Times zu Protokoll: „Die Arbeit an diesem Film war so bizarr. Es gab nicht mal ein Drehbuch. Es herrschte ein Ausmaß an Wahnsinn, das im Filmemachen nie übertroffen werden wird.“

Wer mehr über die turbulente Regie-Laufbahn von Francis Ford Coppola wissen möchte, kann übrigens direkt im nachfolgenden Artikel weiterlesen:

"Ich wurde verdammt und verspottet": "Der Pate"-Schöpfer Francis Ford Coppola steht auch heute noch hinter seinem meistgehassten Film
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