Wenn der schusselig-schüchterne Sohn einer neureichen Familie versehentlich eine Leiche ehelicht, kann dabei allerlei Filmstoff herauskommen – von zart bis abartig. Unter der kauzigen Regie des „Sleepy Hollow“-Machers Tim Burton jedenfalls wurde daraus ein schaurig-schöner, kreativer Ausflug in die Totenwelt, der sich simplen Genre-Definitionen widersetzt.
Zumindest die englischsprachige Wikipedia nennt „Corpse Bride“ einen „düsteren Fantasyfilm“, der außerdem als Musical zu verstehen ist – und der sich des Weiteren über sein Medium definiert: Die lose Adaption einer russischen Volkssage ist ein Stop-Motion-Film, was ihr ihren ganz eigenen Charme verleiht. Am 16. Oktober 2025 erscheint der spaßig-finstere Leichentanz namens „Corpse Bride“ erstmals im deutschen Heimkino als 4K-Edition!
Bei Amazon* ist die Edition ebenfalls gelistet, allerdings war sie zum Veröffentlichungszeitpunkt dieses Artikels bereits vergriffen.
Für Filmfans, die auf den Originalton setzen, besonders interessant: In der englischen Fassung leihen unter anderem Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Horror-Ikone Christopher Lee und der legendäre Komponist Danny Elfman den verschrobenen Figuren ihre Stimmen!
"Corpse Bride": Ein filmisches Fest der Untoten
Victor van Dort (Johnny Depp) ist Sohn einer zu Reichtum gelangten Fischereifamilie. Um das gesellschaftliche Ansehen des Clans zu festigen, soll er Victoria Everglot (Emily Watson) heiraten. Deren Familie ist zwar adelig, jedoch bankrott, und hat es daher genauso sehr auf eine zweckdienliche Ehe abgesehen wie Victors Eltern. Als der schüchterne Bräutigam in spe in aller Abgeschiedenheit sein Gelübde probt, kommt es zu einem unvorhersehbaren Missverständnis:
Die zwar bereits verwesende, sonst jedoch ziemlich fidele Leiche Emily (Helena Bonham Carter) denkt, es wäre ein Antrag, der ihr gilt! Bevor der verschreckte Victor die Lage klären kann, befindet er sich im Reich der Toten, wo Emily ihren Traummann all ihren Bekannten vorstellt. Währenddessen suchen sich Victorias Eltern Finnis (Albert Finney) und Maudeline (Joanna Lumley) bereits einen alternativen Gatten für ihre Tochter: Den empathielosen Lord Barkis Bittern (Richard E. Grant)...
Stop-Motion-Comeback nach 23 Jahren
Zwar ist Tim Burton großer Liebhaber der Stop-Motion-Filmkunst, dennoch werden von einigen Filmfans seine Leistungen in diesem Medium zu hoch eingeschätzt: Nach dem wenig bekannten Disney-Kurzfilm „Vincent“ (eine innige Verbeugung vor Schauspiellegende Vincent Price) aus dem Jahr 1982 dauerte es 23 Jahre, bis Burton erneut einen Stop-Motion-Film inszenierte – das Untotenfest „Corpse Bride“.
Der deutlich bekanntere „Nightmare Before Christmas“, in dem der Halloween-König Jack Skellington Neid auf das Weihnachtsfest entwickelt, wird zwar häufig komplett Burton zugeschrieben, basiert allerdings bloß auf einer Story von ihm und wurde nur von ihm produziert. Regie führte derweil Henry Selick, der auch die finstere Teenager-Mär „Coraline“ und den oft übersehenen Netflix-Grusel „Wendell & Wild“ verantwortete. Vergleicht man Selicks Stop-Motion-Filme und Burtons Arbeiten in diesem Medium, zeigt sich, dass Selick einen stärker ins Makabre tendierenden Humor aufweist und sich wohler darin fühlt, komplexe, unangenehme Gefühle auszuloten.
Burton dagegen lebte mit dem grimmen Liebesbeweis „Vincent“ vor, wo für ihn die Reise letztlich auch mit „Corpse Bride“ hinführen sollte: Für Burton sind Grusel und in schauriger Tonalität getunkte Anflüge von Pathos ein Ausdruck eines Lebensgefühls – des mit Selbststolz erfüllten Außenseitertums. Daher zelebriert er Morbidität mit einer kauzigen Freude, was „Corpse Bride“ so perfekt für die Halloween-Saison macht: „Corpse Bride“ hat mit seinen schmissigen Dialogen, seinem feierlich in Szene gesetzten, grotesk-skurrilen Design und seinen launigen Dialogen genau die richtige Stimmung für diese Zeit!
Der Fairness halber sei natürlich vorgewarnt, dass „Corpse Bride“ nicht für jede filmverliebte Seele eine beschwingte Fete der makabren Lebensfreude darstellt. In der FAZ nannte Kritikerlegende Michael Althen etwa Burtons „in den Gefilden der Nekrophilie“ wildernde Regiearbeit „einen beunruhigenden Zauber“. Gleichwohl gab er anerkennend zu Protokoll, der Film hätte „die Hierarchien der Trickwelt auf den Kopf“ gestellt. Gemäß der starken FILMSTARTS-Kritik ist „Corpse Bride“ wiederum „eine anrührende, aber auch urkomische Geschichte in einer hervorragenden Umsetzung“. Ein echter Knochenjob einfach, die Wirkung von „Corpse Bride“ zusammenzufassen!
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Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.