1990 hat Regisseur Tony Scott gleich zwei Filme ins Kino gebracht – den geistigen „Top Gun“-Nachfolger „Tage des Donners“ sowie den Thriller „Revenge - Eine gefährliche Affäre“. Beide Werke wurden von der Kritik gemischt aufgenommen, doch während sich das Rennfahrer-Drama mit Tom Cruise und Nicole Kidman als Kassenerfolg erwies, ging „Revenge“ trotz des damals enorm populären Kevin Costner in der männlichen Hauptrolle an den Kinokassen baden. Lediglich 15,6 Millionen US-Dollar konnte der Film erwirtschaften – angesichts eines Budgets von 22 Millionen viel zu wenig!
Costner spielt in „Revenge“ den ehemaligen Navy-Piloten Michael „Jay“ Cochran, der nach Mexiko reist, um seinen wohlhabenden Freund Tibey (Anthony Quinn) zu besuchen. Dort verliebt er sich in dessen deutlich jüngere Ehefrau Miryea (Madeleine Stowe) und beginnt eine Affäre mit ihr – die nicht lange unentdeckt bleibt. Als Tibey von dem Verhältnis erfährt, lässt er Jay brutal zusammenschlagen und Miryea entführen. Jay überlebt den Angriff schwer verletzt – und macht sich nicht nur auf die Suche nach Miryea, sondern schwört auch blutige Rache...
Heute ist „Revenge“ weitgehend in Vergessenheit geraten und fristet sowohl im Schaffen von Kevin Costner als auch in der Filmografie von Tony Scott ein Schattendasein. Dabei hat der Neo-Noir durchaus seine Fans – zu den glühendsten gehört Quentin Tarantino, der den Film sogar für eine der allerbesten Arbeiten der 2012 verstorbenen Action-Koryphäe hält.
Als er im Zuge der Veröffentlichung seines zweiteiligen Martial-Arts-Epos „Kill Bill“ nach seinen liebsten Rachefilmen gefragt wurde, nannte Tarantino so unterschiedliche Titel wie „Star Trek II: Der Zorn des Khan“, „Lady Snowblood“, „Der Mann mit der Stahlkralle“, „Coffy“, „Point Blank“ oder „Von Mann zu Mann“ (via Tampa Bay Times). Schließlich kam er auch auf „Revenge“ zu sprechen – und sparte nicht mit überschwänglichem Lob:
„Ich bin ein riesiger Fan dieses Films“, so der 62-Jährige. „Tatsächlich war das der Grund, warum ich wollte, dass Tony ‚True Romance‘ dreht. Ich sagte mir: ‚Ich will, dass der Mann, der ‚Revenge‘ gemacht hat, meinen Film dreht.‘“
Tarantino bekam seinen Willen. 1993 verfilmte Scott das von Tarantino verfasste Drehbuch zu „True Romance“ und schuf einen absoluten 90er-Jahre-Kultfilm. 1995 kreuzten sich die Wege der beiden noch einmal, als Tarantino das Skript zu dem von Scott inszenierten U-Boot-Thriller „Crimson Tide - In tiefster Gefahr“ überarbeitete.
Später gab der „Pulp Fiction“-Schöpfer zu Protokoll, dass ihn der frühe Tod seines Kollegen tief erschüttert habe. „Ich habe seinen Scheiß geliebt“, so der Filmemacher (via IndieWire). „Er ist wie Douglas Sirk. Er hat nie den nötigen Respekt bekommen, war zu kommerziell, die Leute haben ihn schlechtgemacht. Jetzt werden Seminare über ihn abgehalten.“
Übrigens liebt Tarantino noch einen anderen zu Unrecht vergessenen Film mit Kevin Costner – den er nach eigenen Aussagen ganze fünf Mal im Kino gesehen hat! Mehr dazu lest ihr im nachfolgenden Artikel:
"Ich habe ihn 5x im Kino gesehen": Quentin Tarantino liebt diesen zu Unrecht vergessenen Film mit "Yellowstone"-Star Kevin Costner