Beinahe jeder verbindet Peter Jackson sofort mit den monumentalen Landschaften Mittelerdes, mit epischen Schlachten und mit der vielleicht berühmtesten Fantasy-Trilogie der Filmgeschichte. Doch während viele Kinogänger Jacksons Karriere fast ausschließlich über „Der Herr der Ringe“ definieren, hält der Regisseur selbst ein völlig anderes Werk für sein persönliches Meisterstück. Und zwar eins, das 20 Jahre nach seiner Veröffentlichung nicht denselben Kultstatus erreicht hat: „King Kong“!
Als Jackson in einem Gespräch mit der Directors Guild of America (DGA) danach gefragt wurde, auf welches seiner Werke er am stolzesten sei, nannte er also nicht etwa „Die zwei Türme“ oder „Die Rückkehr des Königs“. Stattdessen entschied er sich für einen Film, den damals unter dem monolithischen Eindruck der Fantasy-Trilogie viele als enttäuschend empfanden. Dabei ging für den Neuseeländer mit der Möglichkeit, einen der legendärsten Monsterfilme aller Zeiten neu zu interpretieren, ein schon lange gehegter Wunsch in Erfüllung.
Dementsprechend wusste er auch sofort, dass er nicht Nein sagen konnte, als ihm das Angebot auf den Schreibtisch segelte: „Es war in gewisser Weise ein Kindheitstraum, und ich hatte auch das Gefühl, dass ich etwas zur Legende von Kong beitragen konnte. Viele junge Leute da draußen würden sich niemals die Schwarz-Weiß-Version ansehen“, so der Filmemacher, der seine Karriere übrigens mit schwarzhumorigen Low-Budget-Splatter-Klassikern wie „Bad Taste“ oder „Braindead“ begann. Seine Neuinterpretation des klassischen Hollywood-Stoffs aus den 1930ern sollte deshalb mehr als eine bloße Neuverfilmung sein. Sie sollte seine persönliche Liebeserklärung an das Abenteuerkino werden.
Ein King Kong für eine neue Generation
Mit Naomi Watts, Adrien Brody und Jack Black inszenierte Jackson ein bombastisches Fantasy-Epos über eine Filmcrew, die 1933 (übrigens das Jahr, in dem das Original in die Kinos kam) nach Skull Island reist und dort auf urzeitliche Kreaturen und einen gigantischen Gorilla trifft.
„King Kong“ mochte nicht ganz an den Triumph seiner „Herr der Ringe“-Reihe anknüpfen, doch mit einem weltweiten Einspielergebnis von mehr als 550 Millionen US-Dollar reichte es immerhin für den fünferfolgreichsten Kinofilm des Jahres 2005. In die Filmgeschichte ging er nicht zuletzt wegen seiner einmal mehr herausragenden Motion-Capture-Effekte ein. Für Jackson selbst aber machten das Spektakel vor allem die letzten 30 Minuten – jene tragischen, atemberaubend choreografierten Szenen im winterlichen New York – zu etwas Besonderem. Im Rückblick nannte er sie sogar „wahrscheinlich das Stück Film, auf das ich am stolzesten bin“.
Dabei stand die Produktion unter enormem Zeitdruck. Jackson erzählte der DGA, dass man „15 bis 20 Minuten aus den ersten zwei Filmstunden herausschneiden“ wollte, aber schlicht nicht genug Zeit hatte. Deshalb gibt er zu, dass das Ergebnis „ein kleines bisschen lang“ geraten sei, doch das mindere nicht seinen Stolz.
Jackson hätte „King Kong“ übrigens schon vor „Der Herr der Ringe“ drehen sollen. Doch in den 1990ern überschwemmten monsterlastige Filme wie „Alien – Die Wiedergeburt“, „Die Mumie“ oder „Species“ den Markt und das Projekt wurde daraufhin auf Eis gelegt. Erst nachdem Mittelerde die Welt erobert hatte, bekam Kong eine weitere Chance – und Jackson sein Herzensprojekt.
Wieso Peter Jackson schon lange keinen neuen Spielfilm mehr gedreht hat, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Ich bin nicht im Ruhestand": Seit 11 Jahren kein neuer Spielfilm von "Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson – das ist der Grund