Nach 6 Jahren zurück auf Blu-ray: Dieser kompromisslose Klassiker eines Meisterregisseurs hat vier Oscars gewonnen
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Es ist einer der stärksten Hollywood-Filme, die je zum Thema Alkoholsucht entstanden sind: Das für sieben Academy Awards nominierte Film-noir-Drama „Das verlorene Wochenende“ hat diese Woche eine Heimkino-Neuauflage in HD erhalten!

Dieser kraftvolle Mix aus Suchtdrama und Film noir ist der erste Eintrag in eine kleine, erlesene Reihe an Filmen: „Das verlorene Wochenende“ gewann sowohl den Oscar für den besten Film als auch den Großen Preis bei den Filmfestspielen von Cannes. Nie zuvor ist das einer Produktion gelungen – und seither holten sich lediglich das kleine, liebenswerte Drama „Marty“, der satirische Thriller „Parasite“ und die energiereiche Komödie „Anora“ diese Doppelehre.

Darüber hinaus gewann der kompromisslose, stilbildende Klassiker von Regiemeister Billy Wilder Academy Awards in den Sparten „Beste Regie“, „Bester Hauptdarsteller“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“. 2019 feierte der cineastische Meilenstein seine deutsche Blu-ray-Premiere – diese Auflage ist aber längst vergriffen. Es gibt jedoch keinen Grund mehr, sich verzweifelt durch den Gebrauchtmarkt zu wühlen: Diese Woche hat „Das verlorene Wochenende“ eine Blu-ray-Neuauflage erhalten!

Darum geht es in "Das verlorene Wochenende"

Aus dem einst so hoffnungsvollen Schriftsteller Don Birnam (Ray Milland) ist eine verlorene Seele mit Schreibblockade geworden, die trunken durch den Großstadtdschungel New Yorks irrt. Dabei ist er zumeist allein – und das, obwohl er doch mit Helen St. James (Jane Wyman) zusammen ist, einer optimistischen Frau, die viele seiner Interessen teilt. Das rückt für Don immer weiter in Vergessenheit: Zunehmend bestimmen Selbsthass und Verzweiflung sein Leben...

Eine schwere Melange aus Film noir, Sucht-Albtraum und rauer Wirklichkeit

Billy Wilder war eine Regiegröße, die sich in zahlreichen Genres heimisch fühlte: Auf sein Konto gehen mit „Manche mögen's heiß“ und „Eins, Zwei, Drei“ zwei der lustigsten Filme aller Zeiten, mit „Das Appartement“ ein bezaubernder Genrehybrid zwischen traurig, bissig, pikant sowie lebensbejahend, und mit „Frau ohne Gewissen“ ein verführerisch-finsterer Klassiker des Film noir.

Darüber hinaus feierte erst kürzlich ein Genremix Wilders seine deutsche 4K-Premiere! Ein Film, der als „ultimativer Hollywood-Horrorfilm“ bezeichnet wurde, als wuchtiger Film noir, als satirischer Thriller und als tragisch-schönes Drama. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Heimkino-Tipp:

Dieses Meisterwerk ist Clint Eastwoods absoluter Lieblingsfilm – jetzt feiert der geniale Thriller seine Heimkino-Premiere in 4K

Ein derartiges Genrekaleidoskop stellt „Das verlorene Wochenende“ zwar nicht dar, eines teilen sich diese Wilder-Regiearbeiten aber: Ihre im Film noir verwurzelte Bildsprache. Denn der Meisterregisseur intensiviert die Atmosphäre seiner Alkoholsuchtstudie mit eindringlichen Schattenwürfen und einer seither oft kopierten Sequenz, in der der Protagonist benebelt durch die Straßen stromert und jegliches Zeitgefühl verliert, während die durch Neon-Leuchtreklame repräsentierte Welt an ihm vorbeizieht.

Diesen bewusst gesetzten Stilelementen und einzelnen, eiskalten Albtraumsequenzen zum Trotz wird „Das verlorene Wochenende“ zugleich von einem rauen Realismus durchzogen, wohingegen viele Sucht-Melodramen nicht nur der 1940er theatrale Ästhetik und einen passenden Duktus verfolgen. Laut „Some Like It Wilder: The Life And Controversial Films Of Billy Wilder“ griff das Produktionsteam sogar auf versteckte Kameras zurück und ergatterte eine Drehgenehmigung für den Sucht-Trakt im Bellevue Hospital.

Wie dieser spröde Realismus voller Schönheitsfehler, die schweren Film-noir-Schatten und die auffällige Filmmusik von „Ben Hur“-Komponist Miklós Rózsa, der auf ein sonderbar-jammerndes Theremin setzt, zum bitteren Gesamtkunstwerk zusammenfinden, ist meisterlich. Würde auch nur eine Komponente leicht unter- oder übertreiben, könnte der ganze Film in sich zusammenfallen – wie die Anekdote belegt, dass eine Testvorführung mit Jazz-Musikuntermalung nur für Gelächter sorgte.

Doch in der meisterhaft abgestimmten, endgültigen Fassung zeigt „Das verlorene Wochenende“ auf, welch schweres Schicksal eine ausgeuferte Sucht darstellt, und wie sie einen Keil zwischen dem Individuum und der Gesellschaft treibt. Ebenso wird kompromisslos deutlich, wie Alkoholismus die Persönlichkeit betroffener Menschen zersetzt – kein Wunder, dass sich Martin Scorsese erschütternder Klassiker „Taxi Driver“ auf inszenatorischer Ebene wiederholt bei Wilders Meilenstein bedient!

Und wenn ihr nach „Das verlorene Wochenende“ noch einen Film mit dichter Atmosphäre und einem gegen seine Süchte kämpfenden Protagonisten schauen möchtet: Wie wäre es mit unserem folgenden Heimkino-Tipp, in dem Daniel Craig eine fantastische Performance abgibt?

Ex-Bond Daniel Craig in der "vielleicht besten Performance seiner Karriere": Außergewöhnliche Kino-Erfahrung findet ENDLICH den Weg ins Heimkino

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