Quentin Tarantino bereut es, einen Action-Thriller nicht gemacht zu haben – die Hauptfigur spielte später dann Jason Statham
Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Es gibt ein paar unrealisierte Projekte in der Vita von Quentin Tarantino. Doch es ist eines der weniger bekannten, bei welchem es ihn persönlich heute so richtig wurmt, dass er den Film damals nicht gemacht hat.

Wild Bunch Germany

Wenn man an Filme denkt, die Quentin Tarantino einmal machen wollte, dann fallen einem gleich ein paar Titel ein. Die einen werden vielleicht an seine „Star Trek“-Idee denken, die vor ein paar Jahren die Runde machte, dann aber nie realisiert wurde. Auch der immer wieder gehandelte „Kill Bill Vol. 3“ oder das große Crossover von „Pulp Fiction“ und „Reservoir Dogs“ mit dem Titel „The Vega Brothers“ kommen der einen oder dem anderen vielleicht in den Sinn. Und natürlich ist der zuletzt abgesagte „The Movie Critic“ zu nennen. Doch an den Titel, bei dem es Tarantino selbst bereut, ihn nicht gemacht zu haben, denken sicher die wenigsten.

Denn laut eigener Aussage hätte Tarantino rückblickend gerne „The Outfit“ gedreht. Nach der Veröffentlichung von „Jackie Brown“ arbeitete er an einer Verfilmung des in Deutschland als „Die Gorillas“ bekannten Thriller-Romans, den Donald E. Westlake 1963 unter dem Pseudonym Richard Stark herausbrachte. Bereits in seinem Buch „Cinema Speculation“ schrieb Tarantino, dass er Ende der 1990er-Jahre an einer Verfilmung mit Robert De Niro, Harvey Keitel und Pam Grier arbeitete. Schon da zeigte er Reue darüber, dass er es nicht gemacht hat. Jetzt darüber zu schreiben, „lässt mich wünschen, ich hätte es gemacht“, führte er da über das abgesagte Projekt aus.

Vor wenigen Tagen wiederholte er das in einem Interview noch einmal mit mehr Nachdruck. Bezugnehmend auf sein anvisiertes Schauspiel-Trio um De Niro erklärte er so: „Jetzt, wo sie älter sind und es nicht mehr machen können, gibt es einen Teil von mir, der sich wirklich wünscht, ich hätte das gemacht.“

Tarantinos Parker-Film "The Outfit": Das ist bekannt

„The Outfit“ ist der dritte Roman in der Parker-Reihe von Westlake. Im Mittelpunkt der Bücher steht der eiskalte wie wortkarge Profi-Verbrecher Parker. Zahlreiche der Parker-Romane wurden adaptiert. Am bekanntesten ist sicher der auch von Tarantino verehrte „Point Blank“ von Regisseur John Boorman mit Lee Marvin. Vor etwas mehr als einem Jahrzehnt schlüpfte auch Jason Statham für „Parker“ in die ikonische Action-Rolle. Und statt Tarantinos Projekt erschien Ende der Neunziger Jahre „Payback“ mit Mel Gibson in der Rolle der hier aber Porter getauften Figur.

Auch „The Outfit“ wurde bereits verfilmt – als „Revolte in der Unterwelt“ (so der deutsche Titel) mit Robert Duvall. Auch hier wurde die Hauptfigur umbenannt und sich ohnehin einiges an Freiheiten genommen. Für Tarantino ist „Revolte in der Unterwelt“ ein Quasi-Sequel zu „Point Blank“, das er feiert. Obwohl er das Original von John Flynn liebt, hätte er dem Stoff gerne seinen eigenen Dreh gegeben.

Robert De Niro sollte Parker spielen, der von der gefährlichen Verbrecher-Organisation The Outfit ins Visier genommen wird. Diese will ihn umbringen. Doch statt unterzutauchen, plant Parker einen Gegenschlag. Er will mit einer Reihe von präzise geplanten und effizient ausgeführten Raubzügen und Sabotageaktionen in diversen US-Städten der mächtigen Organisation so zusetzen, dass sie einem Friedensangebot zustimmt. Harvey Keitel sollte Parkers wichtigsten Komplizen Cody spielen. Pam Grier Parkers ihm ebenfalls zur Seite stehende Lebensgefährtin Bett.

Am Ende entschied sich Tarantino gegen „The Outfit“, weil es ihm zu ähnlich zu „Jackie Brown“ war (was der geplante Cast sicher noch mal verstärkt hätte). Er wollte etwas ganz anderes machen. Als er auf einer Party zufällig Uma Thurman wiedertraf und die ihn an eine einst beim Dreh zu „Pulp Fiction“ diskutierte Filmidee erinnerte, war dieses ganz andere Projekt gefunden: Der erst als kleine Martial-Arts-Fingerübung geplante, dann aber immer weiter ausufernde „Kill Bill“. Die sechs Jahre Wartezeit zwischen „Jackie Brown“ und „Kill Bill: Vol. 1“ ist die bislang längste Pause in der Karriere von Tarantino. Das wird sich nun aber ändern. Schließlich sind seit „Once Upon A Time... In Hollywood“ ebenfalls sechs Jahre vergangenen – und noch ist der nächste und dann wohl auch letzte Kinofilm von Tarantino nicht in Sicht.

Wenn euch derweil interessiert, welche Serie Tarantino so begeistert, werdet ihr im folgenden Artikel fündig:

"Die einzige Serie, die ich 3x gesehen habe": Quentin Tarantino ist ein riesiger Fan von diesem Geheimtipp des "besten Dialogschreibers der Branche"

*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren