Damit hat wohl niemand gerechnet: Der Goldene Löwe 2025 geht an Jim Jarmusch für "Father Mother Sister Brother"
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

Nach elf Tagen ging das Venedig Filmfestival 2025 am Samstagabend mit der feierlichen Verleihung der Preise im 21 Filme umfassenden Wettbewerb zu Ende. Der Gewinner des Goldenen Löwen ist eine faustdicke, aber nicht unverdiente Überraschung!

Nachdem alle 21 Filme des Wettbewerbs der 82. Filmfestspiele von Venedig gezeigt wurden, waren sich die Expert*innen einig: Die siebenköpfige Jury um ihren Präsidenten Alexander Payne („The Holdovers“) würde sich entscheiden müssen, ob sie den Goldenen Löwen in diesem Jahr vor allem aus einer politischen oder einer künstlerischen Motivation heraus vergeben will. Für beide Varianten gab es eindeutige Favoriten: Auf der künstlerischen Seite das zärtliche Meisterwerk „Silent Friend“, in dem die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi drei Geschichten aus 112 Jahren miteinander verknüpft, die sich alle um denselben Ginkgobaum im botanischen Garten der Universität Marburg drehen.

Aus politischen Gründen gab es hingegen kaum einen Weg vorbei an „The Voice Of Hind Rajab“, in dem die tunesische Regisseurin Kaouther Ben Hania die realen Tonaufnahmen des titelgebenden sechsjährigen Mädchens verwendet, die am 29. Januar 2024 den Notruf anrief, weil sie nach Beschuss durch die israelische Armee gemeinsam mit sechs bereits getöteten Familienmitgliedern in einem Auto in Gaza feststeckte. Der Film schildert nahezu in Echtzeit die verzweifelten Versuche der Hilfsorganisation Roter Halbmond, irgendwie Hilfe für Hind Rajab zu organisieren. Im Anschluss an die Premiere gab es eine 22-minütige Standing Ovation, die wohl auch nur deshalb endete, weil sie Verantwortlichen irgendwann das Licht im Sala Grande gedimmt haben.

Aber Pustekuchen: Der Goldene Löwe 2025 geht an „Father Mother Sister Brother“ von Jim Jarmusch, während sich „The Voice Of Hind Rajab“ mit dem zweiten Platz (Großer Preis der Jury) und „Silent Friend“ sogar mit dem Preis für den besten Nachwuchsstar zufriedengeben mussten. Überraschend ist der Sieg vor allem deshalb, weil der aus drei nicht direkt zusammenhängenden Episoden bestehende „Father Mother Sister Brother“ zwar von vielen als charmant-sympathische, aber trotz der vielen Stars um Cate Blanchett, Adam Driver und Charlotte Rampling auch als vergleichsweise bescheidene Komödie wahrgenommen wurde.

Die Übersicht über alle Preisträger

Der Venedig-Wettbewerb 2025

Aber nicht nur im Wettbewerb, auch in den sonstigen Sektionen gab es einiges zu entdecken. So stammt einer der besten Filme der wichtigsten Nebenreihe Orizzonti sogar aus Deutschland:

Endlich ist es so weit: Kurz vor Schluss feiert heute die große deutsche Hoffnung beim Filmfest in Venedig ihre Weltpremiere – bestimmt mit ganz viel Negroni!

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