12 (!) Stunden Dauer-Sprinten: "The Running Man"-Star Glen Powell über harte Action-Drehs und Arnold Schwarzeneggers Segen
Markus Trutt
Markus Trutt
-Redakteur
Filme, Serien, Videospiele. Markus brennt schon seit Kindertagen für so ziemlich alles, was über Bildschirme und Leinwände flimmert.

Glen Powell ist einer DER Hollywood-Shooting-Stars der Stunde. Im Sci-Fi-Actioner „The Running Man“ tritt er nun in Arnold Schwarzeneggers Fußstapfen. Uns ist er zum Glück nicht davon gerannt, sondern hat im Interview Rede und Antwort gestanden.

Als Aufschneider Hangman in „Top Gun: Maverick“ hat er stärker auf sich aufmerksam gemacht. Seitdem hat er in Hits wie „Wo die Lüge hinfällt“ und „Twisters“ seine Leading-Man-Qualitäten unter Beweis gestellt – was er mit dem Sci-Fi-Blockbuster „The Running Man“ jetzt nahtlos fortsetzt.

In der zweiten Verfilmung von Stephen Kings gleichnamigem Roman (nach dem Kult-Klassiker mit Arnold Schwarzenegger aus dem Jahr 1987) nimmt Powell als Ben Richards im Rahmen einer perfiden Game-Show vor tödlichen Jägern Reißaus. Wie körperlich herausfordernd das war, wie groß seine Liebe zu Regisseur Edgar Wright ist und was eigentlich Arnie zu all dem sagt, verrät er uns im Interview.

Glen Powell im Zoom-Gespräch mit FILMSTARTS-Redakteur Markus Trutt Paramount Pictures
Glen Powell im Zoom-Gespräch mit FILMSTARTS-Redakteur Markus Trutt

FILMSTARTS: Bei dir läuft es wirklich großartig. „Top Gun: Maverick“, „Wo die Lüge hinfällt“, „A Killer Romance“, „Twisters“ – und jetzt „Running Man“. Das ist schon ein ziemlicher Lauf. Was würdest du sagen, war der Funke oder der Wendepunkt in deiner Karriere, an dem du wusstest: „Davon kann ich leben“?

Glen Powell: Viele vergessen, dass ich das schon mache, seit ich ein Kind bin. Und jedes Mal, wenn ich einen Film drehe, habe ich das Gefühl, es könnte das letzte Mal sein, dass ich das tun darf. Es ist immer ein Privileg, und ich kann kaum glauben, dass mich überhaupt jemand an ein Set lässt. Ich rede ständig darüber. Ich habe gestern Abend mit einem Freund gesprochen, bei dem es gerade richtig gut läuft, wie unwirklich das alles für uns ist.

Wenn du dir etwa „Top Gun: Maverick“ anschaust – wir wussten damals nicht, was das werden würde. Man weiß, dass Tom [Cruise] bekannt dafür ist, für das Publikum abzuliefern, aber das war ein wilder, riskanter Schritt, in diese Welt zurückzukehren. Wir wussten nicht, wie das Publikum reagieren würde. Ich erinnere mich daran, den Film zum ersten Mal gesehen zu haben und zu denken: „Wow.“ Tom, [Autor Christopher] McQ[uarrie], [Regisseur] Joe Kosinski – alle haben einfach abgeliefert. Das war ein großartiges Gefühl und definitiv ein Wendepunkt.

Aber dass ich jetzt mit jemandem wie Edgar Wright arbeiten darf – das ist surreal. Edgar ist ein Filmemacher, mit dem ich meine ganze Karriere über arbeiten wollte. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich „Shaun Of The Dead“, „Hot Fuzz“, „The World's End“ oder „Baby Driver“ gesehen habe. Das sind prägende Filme. Alles, was Edgar anfasst, trägt seine Vision.

Und dann noch in einer Stephen-King-Welt zu sein, in dieser prophetischen Welt, die er geschaffen hat... Edgar ist selbst ein absoluter Fanboy und ein echter Cinephiler. Er feiert einfach alles, was cool gemacht ist. In seiner Welt arbeiten zu dürfen, ist ein Traum, der wahr wird. Wenn das der letzte Film wäre, den ich je mache, wäre das ein Traum. Ich behandle jeden Film so – ich arbeite so hart, wie ich nur kann – besser kann es eigentlich nicht werden.

Arnold Schwarzenegger ist begeistert

FILMSTARTS: Du hattest hier außerdem die Gelegenheit, in Arnold Schwarzeneggers Fußstapfen zu treten. Wie war das? Hast du mit ihm darüber gesprochen?

Glen Powell: Wie wir alle wissen: Einer der großen Österreicher – Arnold Schwarzenegger. Wir konnten Arnold den Film tatsächlich zeigen. Und es gibt sogar ein Video von seiner Reaktion [zu sehen im nachfolgenden Instagram-Post] – er war richtig elektrisiert nach dem Film. Wir konnten auch schon früh im Prozess mit ihm sprechen. Ich habe vor Drehbeginn sogar mal kurz mit ihm gefacetimed.

Bei seinem Film konnten sie damals nicht wirklich das umsetzen, was Stephen King ursprünglich wollte. Sie mussten erzählerische Umwege gehen, vor allem aus praktischen Gründen. Die Prämisse unseres Films ist nun tatsächlich, dass die ganze Welt 30 Tage lang einen Typen jagt, draußen in der echten Welt. Deshalb gibt es 170 Sets in diesem Film. Das ist verrückt und logistisch wie finanziell extrem schwierig.

Arnolds Film musste damals komplett in unterirdischen Sets entstehen, was die Ausmaße begrenzte – immer noch cool, aber eben anders. Ich bin wirklich stolz darauf, dass unser Film das bietet, was King intendiert hat: diese globale Dimension, das Gefühl, dass die ganze Welt sich um diesen Mann herum bewegt. Und je länger er überlebt, desto mehr entsteht eine menschliche Solidarität, eine Bewegung derer, die vom System unterdrückt werden. Es ist eine größere Geschichte. Und Arnold war begeistert, dass wir genau diesen Kern getroffen haben.

FILMSTARTS: Jetzt haben wir zwei „Running Man“-Filme, die sehr unterschiedlich sind, aber beide auf ihre Art viel Spaß machen. In einer Welt, in der viele Dinge, die früher satirisch waren, heute leider Realität sind – kann ein satirischer Einschlag wie bei Running Man heute noch funktionieren?

Glen Powell: Das ist es, was großartige Sci-Fi ausmacht. Großartige Sci-Fi ist unterhaltsam und nur ein paar Grad von unserer Realität entfernt, sodass man die Welt aus einer neuen Perspektive sieht. Wenn man mitten drinsteckt, wenn man ständig am Handy klebt, merkt man gar nicht, wie wir an diesen Punkt gekommen sind.

Das Verrückte an „Running Man“ ist: Stephen King hat das 1982 geschrieben – angesiedelt im Jahr 2025. Und jetzt sind wir im Jahr 2025. Dass es so nah an unserer Realität liegt, ist unheimlich. Aber wirklich gute Sci-Fi erlaubt es dir, Spaß zu haben und genug Abstand zu bekommen, während man trotzdem viel zum Nachdenken hat, wenn man das Kino verlässt. Darauf bin ich besonders stolz: Der Film ist eine Adrenalin-Achterbahn von Anfang bis Ende, aber er lässt dich auch über unsere Welt nachdenken und darüber, wie wir hier gelandet sind.

FILMSTARTS: Und am Ende stößt er durchaus die Tür für mehr auf. Denkst du, es gibt vielleicht Raum für eine Fortsetzung?

Glen Powell: Ich würde mit Edgar hundertmal wieder arbeiten. Wohin Edgar auch geht – ich renne hinterher.

Spaß trotz Dauerlauf

FILMSTARTS: Die Rolle des Ben Richards ist extrem körperlich. Gab es eine Szene, die dich physisch an deine Grenzen gebracht hat?

Glen Powell: Ja, da gab es eine Nacht, in der ich auf der Flucht bin – es heißt ja nicht ohne Grund „The Running Man“. Wir waren in Bulgarien, es war eiskalt, und ich musste die ganze Nacht über sprinten. Ich glaube, es waren zwölf Stunden. Das ist viel. Ich renne durch Straßen, durch einen Friedhof. Und niemand spricht darüber, wie viel dabei schiefgehen kann.

Auf dem Friedhof wollten sie eine unheimliche Atmosphäre. Sie haben alles mit Nebel vollgepumpt – genau in dem Moment, bevor ich lossprinten sollte. Ich hatte mir vorher selbst einen sicheren Weg freigeräumt. Doch dann meinte die Set-Deko, der Friedhof wirke zu leer, und stellte plötzlich überall Äste und zusätzliche Grabsteine hin. Dann noch der Nebel – und ich rannte praktisch blind bei Vollspeed über diesen Friedhof, mitten in der Nacht, bei eisiger Kälte. Bei einem Film wie diesem gibt es wirklich viele Möglichkeiten, sich zu verletzen.

Es ist ein schonungsloser Trip. Ich glaube, ich habe das alles noch gar nicht verarbeitet. Schwarzenegger sagte zu mir: „Es gibt keinen einzigen Actionfilm, bei dem ich Spaß am Dreh hatte. Die sind alle hart.“ Und er meinte, er würde lieber „Twins“ und „Kindergarten Cop“ noch mal drehen. Von Actionfilmen solle man ihn fernhalten.

The Running Man
The Running Man
Starttermin 13. November 2025 | 2 Std. 14 Min.
Von Edgar Wright
Mit Glen Powell, Josh Brolin, William H. Macy
User-Wertung
3,3
Filmstarts
3,0

FILMSTARTS: Ich hoffe aber, dass du bei „Running Man“ trotzdem zumindest etwas Spaß hattest…

Glen Powell: Am Ende des Tages war es natürlich ein Riesen-Spaß, in einer Edgar-Wright-Welt zu arbeiten und so eine Rolle zu spielen. Für mich gehören harte Arbeit und Spaß zusammen. Ich ziehe viel Erfüllung daraus, hart zu arbeiten. Wenn man durch den Tag schwebt und niemand richtig konzentriert ist, mag ich das gar nicht. Ich liebe es, wenn Menschen fokussiert und voller Energie sind – das steckt mich an.

Ich habe noch nie einen Regisseur so hart arbeiten sehen wie Edgar. Und das macht den Job so besonders. Wir arbeiten alle hart, wir fallen abends völlig erschöpft ins Bett. Aber wir schlafen mit dem Wissen ein, dass wir an diesem Tag alles gegeben haben. Und das ist das beste Gefühl überhaupt...

Falls ihr „The Running Man“ schon gesehen habt und euch nun fragt, was da am Ende eigentlich genau passiert und wie sich das von Stephen Kings Romanvorlage unterscheidet, lest am besten einfach noch folgenden Artikel:

Das Ende von "The Running Man" und die Unterschiede zu Stephen Kings Roman erklärt: Was passiert wirklich mit Ben Richards?

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