Ihm ist "Avatar 3" gewidmet: Ohne Jon Landau wäre die epische 3D-Sci-Fi-Trilogie nicht denkbar gewesen
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Zu Beginn des Abspanns von „Avatar 3: Fire And Ash“ steht sein Name: Jon Landau. James Cameron gedenkt damit seines 2024 verstorbenen, engsten Partners. Schließlich prägte dieser die Reihe wie kein anderer Mitstreiter.

Wenn „Avatar 3: Fire And Ash“ jetzt in den Kinos läuft, kann dies ein zentraler Architekt des gigantischen Universums nicht mehr miterleben: Produzent Jon Landau. Er verstarb im Juli 2024 nach einer Krebserkrankung. Nicht nur „Avatar 3“ ist ihm gewidmet. Wenn „Avatar 4“ und „Avatar 5“ folgen sollten, wird er auch dort noch als Produzent im Abspann gelistet werden, weil er so viel für diese Filme getan hat.

Wir wollen daher in diesem Artikel über diesen unsichtbaren Fixstern hinter James Camerons Filmen sprechen, dessen Einfluss bei der Reihe allgegenwärtig, auch wenn es im Kino kaum jemand mitbekommt. Wir reden dabei über einen Mann, dessen Name so eng mit Camerons Filmen verbunden ist, wie die Schlagworte Perfektionismus, technischer Wahnsinn und epochale Blockbuster.

Vom Studio-Manager zum Cameron-Vertrauten

Der 1960 in New York geborene Jon Landau begann seine Karriere nicht als klassischer Kreativproduzent, sondern arbeitete lange für das Hollywood-Studio Fox in verschiedensten Rollen. Cameron lernte ihn kennen, als er für das Studio den Action-Blockbuster „True Lies“ machte. Landau war der „Studio-Anzugsträger“, den Fox geschickt hatte, ihn beim Dreh zu überwachen, gab der Filmemacher später seinen ersten Eindruck des späteren Freundes zu Protokoll.

Doch Cameron beeindruckte schnell, dass Landau kein Zahlenschieber war, der nur darauf aus war, an jeder Ecke Geld einzusparen. Landau war filmbegeistert. Er verstand schnell, dass Cameron am besten arbeitet, wenn er kreative Freiheit genießt und mit präziser Planung und einer langfristigen Strategie unterstützt wird. Und Landau war mit seiner langjährigen Kenntnis des Innenlebens eines Hollywood-Studios jemand, der die Erfahrung und das politische Geschick besaß, ihm den Rücken freizuhalten.

"Titanic" machte Cameron und Landau zum kongenialen Duo

James Cameron war nach der „True Lies“-Zusammenarbeit so begeistert, dass er Jon Landau von Fox abwarb und zum Chief Operating Officer (COO) seiner Produktionsfirma Lightstorm Entertainment machte. Es war der Anfang einer der produktivsten und erfolgreichsten Regisseur-Produzent-Partnerschaften der Filmgeschichte – und das genau zur richtigen Zeit. Denn für Landau stand direkt eine Monster-Aufgabe an. James Cameron hatte bereits die Idee für ein episches Drama namens „Titanic“. Doch niemand in Hollywood glaubte an das Erfolgspotenzial des Films.

Landau wurde zum Mastermind hinter der Realisierung und des Erfolgs von „Titanic“. Er schaffte es, dass sich am Ende zwei konkurrierende Hollywood-Studios, sein alter Arbeitgeber Fox sowie Paramount, zusammenfanden, um sich das gewaltige Risiko zu teilen und das Projekt überhaupt realisieren zu können. Er kämpfte dafür, dass Cameron das nötige Geld und die gewünschten Drehbedingungen bekam, um es auch nach seinen Vorstellungen und ohne Abstriche umzusetzen.

Selbst als der Erfolg des fertigen Films durch die Ideen des Studios für einen actionreichen Film in Gefahr geriet, zog er für den Filmemacher und dessen Vision „in die Schlacht“, wie er es in seinen Memoiren beschrieb – und war erfolgreich. Dabei half ihm allerdings auch ein Hollywood-Megastar, wie wir euch in diesem lesenswerten Artikel verraten:

Dieser Hollywood-Megastar rettete "Titanic" – dabei spielte er nicht mal mit!

Doch die wahre Herausforderung gab es erst nach dem gewaltigen Erfolg von „Titanic“...

"Avatar" als Lebensprojekt – nicht als Franchise

In seinem posthum veröffentlichten Buch „The Bigger Picture: My Blockbuster Life & Lessons Learned Along The Way“ beschreibt Landau „Avatar“ nicht als Filmreihe, sondern als Lebensprojekt. Er schildert, wie Cameron bereits lange vor dem ersten Film nicht nur eine Welt, sondern auch eine Produktionsphilosophie entwarf: Technologien sollten dem Erzählen dienen, nicht umgekehrt.

Dass der eigenwillige und auch mal streitbare Filmemacher diese Visionen realisieren konnte, haben wir Landau zu verdanken. Der verstand sich vor allem als „Übersetzer“. Er vermittelte zwischen Technikteams, Studioentscheidern und einem Regisseur, der auch während der Produktion von „Avatar“ schon an die Sequels dachte. Für Cameron war sein Tod sogar so, als sei ein Teil von ihm selbst „herausgerissen“ worden, wie er in einem Nachruf auf dem offiziellen Account zur Filmreihe anlässlich Landaus Ableben 2024 verbreiten ließ:

Landau oblag es, immer wieder bei den Finanziers dafür zu kämpfen, dass Cameron hierfür teure Technologien entwickelte, die sich erst in vielen Jahren bezahlt machen würden. Schon lange, bevor „Avatar 2: The Way Of Water“ dann wirklich umgesetzt wurde, experimentierte Cameron zum Beispiel damit, wie man die beeindruckenden Motion-Capture-Aufnahmen auch unter Wasser realisieren kann.

Dafür brauchte er Zeit – und auch hier kam Landau ins Spiel. Während sich die Studiobosse nach dem Erfolg von „Avatar“ schnelle Fortsetzungen wünschten, unterstützte Landau Camerons Entscheidung, mehrere Sequels parallel zu entwickeln und erst einmal technologische Grundlagen neu zu definieren. In seinem Buch „The Bigger Picture“ reflektiert Landau so auch, wie wichtig es sei, nicht den nächsten Start, sondern das große Ganze im Blick zu behalten – was sich in der jahrelangen Vorbereitung auf „Avatar 2“, „Avatar 3“ und darüber hinaus widerspiegelt.

Darum war Landau für Camerons Karriere entscheidend

James Cameron ist bekannt dafür, keine Kompromisse einzugehen. Landau wurde womöglich am Anfang bei „True Lies“ wirklich geschickt, um den Filmemacher zu bremsen, doch er wurde zu dem Mann, der ihn absicherte. In seinem Buch beschreibt er, wie wichtig Vertrauen dabei war: Cameron wusste, dass Landau seine Interessen gegenüber den Studios kompromisslos vertrat – auch dann, wenn Projekte zeitlich aus dem Ruder liefen oder Budgets explodierten.

Wir sind überzeugt, dass erst Jon Landau und das intensive Vertrauensverhältnis es Cameron überhaupt ermöglichten, Risiken einzugehen, die sonst kaum ein Regisseur durchgesetzt hätte. „Titanic“, „Avatar“ und die aktuellen Fortsetzungen waren schließlich nicht nur kreative Wagnisse, sondern auch wirtschaftliche Hochrisikoprojekte. Sowohl bei „Titanic“, als auch bei „Avatar“ und sogar noch beim ersten Sequel „Avatar 2: The Way Of Water“ war alle Welt überzeugt, dass hier gigantische Flops ins Haus stünden. In Hollywood wurde jeweils schon die Häme vorbereitet, die man über James Cameron ausschütten würde, wenn er endlich mal auf die Schnauze fällt.

Doch immer ging sein Wagnis auf. Dass man nicht gegen James Cameron wetten dürfe, ist längst ein geflügeltes Wort. Dass man diese Wette bislang immer verlor, lag aber zu großen Teilen auch an Jon Landau.

Avatar: Fire And Ash“ ist damit nicht nur die Fortsetzung einer erfolgreichen Kinoreihe, sondern auch ein Denkmal für den Produzenten. Ihr könnt das Pandora-Sequel aktuell dort sehen, wo auch Landau immer Filme am liebsten erlebt hat: auf den größtmöglichen Kinoleinwänden der Welt. Dass die Kinos den Film dabei richtig abspielen, will Cameron selbst kontrollieren. Wie er das genau macht, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

"Nicht leiser einstellen!" James Cameron gibt Kinos sehr klare Anweisungen, wie "Avatar 3" richtig gezeigt werden soll

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