Eine der größten Schauspielerinnen der 90er, die Glamour, Stil und Action vereinte: Was macht Rene Russo eigentlich heute?
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Weit mehr als nur schön: Das Ex-Model Rene Russo fand zwar spät zur Schauspielerei, entwickelte sich dank kluger Rollenauswahl und komödiantischen Talents aber zu einer der Top-Schauspielerinnen der 90er. Was aus dem Star wurde, erfahrt ihr hier.

Warner Bros.

Rene Russo war eines der erfolgreichsten US-Models der 70er- und frühen 80er-Jahre und in den 90ern einer DER weiblichen Hollywood-Stars schlechthin. 25 Jahre lang kannte sie nichts anderes als das Rampenlicht und Ruhm, es ging mit der Karriere stets steil nach oben. Dabei war der Start ins Leben für die 1954 im kalifornischen Burbank geborene Schauspielerin alles andere als leicht. Dass sie selbst einmal so berühmt werden würde, hätte die Teenagerin Rene Russo vermutlich für ziemlich unwahrscheinlich gehalten.

Ihr Vater, ein Mechaniker, verließt die Familie als Russo gerade einmal zwei Jahre alt war. In ihrer Jugend erkrankte sie zudem an der Wirbelsäulenerkrankung Skoliose und musste über Jahre ein Ganzkörperkorsett tragen. In der zehnten Klasse brach sie die Schule ab. Einer der Hauptgründe war das jahrelange Mobbing durch ihre Klassenkameraden, die sich unter anderem über ihre Größe lustig machten. Welch Ironie, dass Russo später tatsächlich eine der „Größten“ ihres Faches werden würde.

Alles ändere sich für die 18-jährige 1972 auf einem Konzert der Rolling Stones. Der bekannte Talentsucher John Crosby wurde auf die charismatische junge Frau aufmerksam und verschaffte ihr den ersten Modelvertrag. Es war der Start in eine beachtliche Karriere: Ende der 70er-Jahre galt sie als eines der meistgebuchten Models des Landes und erschien auf den Titelblättern der großen Mode- und Hochglanzmagazine. Doch die ehrgeizige, selbstbewusste Russo wollte mehr.

Action- und Komödien-Hits – Stammgast im Kino der 90er

Nach einigen Auftritten in TV-Spots ab den frühen 80ern versuchte sich Russo als ernstzunehmende Schauspielerin. Und auch dies gelang ihr – selbst wenn dafür einige Jahre Geduld nötig waren. Ihre erste nennenswerte Rolle bekam sie 1987 in der TV-Serie „Sable“ (1987), bevor zwei Jahre später mit der Sport-Komödie „Die Indianer von Cleveland“ an der Seite von Charlie Sheen ihr Leinwanddebüt folgte. Schon damals zeigte, dass Russo komische Rollen lagen.

1992, also genau zwanzig Jahre nach dem Rolling-Stones-Konzert, das ihr Leben veränderte, spielte sie neben Stones-Sänger Mick Jagger in dem Sci-Fi-Actioner „Freejack“ eine der Hauptrollen. Im selben Jahr gelang ihr – im Alter von 38 Jahren – mit dem Buddy-Movie-Klassiker „Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück“ der endgültige Durchbruch als Schauspielerin. Als knallharte und waffenvernarrte L.A.P.D.-Polizistin Lorna Cole bot sie ihren männlichen Kollegen, gespielt von Mel Gibson und Danny Glover, Paroli und begeisterte gleichermaßen Kritik wie Publikum. Der Film war der erfolgreichste der Reihe und katapultierte Russo in die A-Liga Hollywoods.

Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück
Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück
Starttermin 27. August 1992 | 1 Std. 58 Min.
Von Richard Donner
Mit Mel Gibson, Danny Glover, Joe Pesci
Pressekritiken
4,0
User-Wertung
4,0
Filmstarts
4,0

Aus der einst von ihren Altersgenossen schikanierten, unsicheren Jugendlichen war nun eine der gefragtesten Darstellerinnen der Traumfabrik geworden. Russo verströmte Glamour und Reife, Sex-Appeal und Selbstbewusstsein. Und sie wurde plötzlich in einem Atemzug mit anderen Star-Schauspielerinnen jener Zeit wie Julia Roberts, Sandra Bullock oder Meg Ryan genannt.

Nach „Lethal Weapon“ folgte Hit auf Hit, wobei Russo meist in actionreichen Rollen (etwa neben Clint Eastwood in „In the Line of Fire“) oder in intelligenten, anspielungsreichen Komödien zu sehen war. Zu ihren größten Comedy-Erfolgen zählten Barry Sonnenfelds Gauner-Satire „Schnappt Shorty“ und der Kritikerliebling „Tin Cup“ neben Kevin Costner (1996). In ihre legendäre Durchbruchsrolle der resoluten Ermittlerin Cole kehrte sie 1998 im vierten Teil des „Lethal Weapon“-Franchise nochmals zurück. Ihr letzter Box-Office-Hit war im Jahr darauf das Heist-Movie „Die Thomas Crown Affäre“. Dann waren die goldenen Jahre vorbei, es folgte die Ära der Kassenflops.

Rückzug aus dem Filmbusiness 2005

Denn alle Filme Russos von 2000 bis 2005, von der überdrehten Satire „Showtime“ bis zum zähen Thriller „Das schnelle Geld“, waren eklatante Misserfolge – kommerziell wie künstlerisch. Die Komödie „Deine, meine & unsere“ von 2005 sollte ihr letzter Film für lange Zeit bleiben. Im selben Jahr nahm sich die damals 51-Jährige eine sechsjährige Auszeit vom Filmgeschäft. Russo zog sich ins Privatleben zurück und verbrachte viel Zeit mir ihrer 1993 geborenen Tochter. 2014 sprach sie mit Buzzfeed über ihre Entscheidung, sich 2005 von der Schauspielerei zurückzuziehen. Und erklärte darin sehr offen und freimütig die wahren Gründe dahinter:

„Ich machte eine etwas schwierige Phase in meinem Leben durch. Ich habe ständig gearbeitet. Ich habe nie wirklich eine Pause gemacht. Ich glaube, ich bin einfach an meine Grenzen gestoßen. Auch emotional. Ich war nicht in der Verfassung, einen Film zu drehen. Ich war depressiv. Es war keine gute Zeit für mich.“

2011 folgte, wie passend, die schauspielerische Auferstehung als nordische Göttin. Russo kehrte im MCU-Blockbuster „Thor“ als Frigga, die Mutter des Donnergottes, zurück auf die Leinwand und war auch in der Fortsetzung von 2013 zu sehen. Ihren bis heute letzten (kurzen) Filmauftritt hatte Russo in „Avengers: Endgame“, erneut als Frigga.

Russo als Frigga im Marvel-Hit Disney
Russo als Frigga im Marvel-Hit "Thor"

Man wäre fast geneigt die rhetorische Frage zu stellen: Kann es ein passenderes Ende einer großen Filmkarriere als die Mitwirkung am weltweit zweiterfolgreichsten Film aller Zeiten geben? Doch ob es wirklich der endgültige Abschied Russos aus dem Filmgeschäft ist? Wir wissen, und hoffen, es nicht. Denn schon einmal lagen bei Russo sechs Jahre zwischen zwei Filmen. Behält sie diesen Turnus bei, könnten wir sie zeitnah also vielleicht doch wieder in einem Film bewundern.

Ebenfalls sehr lange haben wir nichts mehr von Schauspiel-Legende Jack Nicholson gehört oder gesehen. Vor mittlerweile 15 Jahren kehrte er der Schauspielerei den Rücken. Seitdem hoffen viele auf ein Comeback. Einer seiner Kollegen hält eine Rückkehr für durchaus möglich. Im nachfolgenden Beitrag erfahrt ihr, welcher langjährige Weggefährte Nicholsons gemeint ist und worauf er seine Vermutung zurückführt:

"Er liest die ganze Zeit Drehbücher": Gibt es nach 15 Jahren doch noch eine Rückkehr des dreifachen Oscar-Preisträgers?

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