Kaum eine Blu-ray habe ich in den vergangenen Jahren so häufig eingelegt wie die von „Hans Zimmer Live“: Der 2017 in die Kinos entlassene Konzertfilm, der Hans Zimmers im Mai 2016 erfolgten Auftritt in der Prager O2-Arena für die filmische Ewigkeit festhält, steht weit oben auf meiner Liste, wann immer ich Lust auf packende Melodien habe, gute Laune brauche oder an Zimmers großartige erste Tournee erinnert werden will.
Denn der Komponist, dessen Name für einige der besten Filmmusiken unserer Zeit steht, variiert seine unvergesslichsten Kompositionen (und ein paar abseitige Favoriten) für seine Liveshows auf (im besten Sinne) markerschütternde Weise: Auf der Konzertbühne verpasst Zimmer seinen Filmscores eine deftige Dosis Rockkonzert-Wucht und eine neue, mitreißende Dynamik – ohne die Essenz der populären Stücke zu verfälschen. Mit Live-Alben und Konzertmitschnitten von Zimmer-Auftritten kann man also bestens testen, was das eigene Soundsystem eigentlich so drauf hat (und wie gut man sich mit der Nachbarschaft versteht).
Nun bekam der schmuck ausgeleuchtete und toll montierte Konzertfilm ein Heimkino-Upgrade spendiert: Seit dieser Woche ist „Hans Zimmer Live“ im deutschen Handel als 4K-Disc erhältlich!
Ganz gleich, ob ihr „Hans Zimmer Live“ als Trostpflaster verwendet, weil ihr Zimmer und seine markige Orchester-Band-Kombo noch nicht live erleben konntet, oder ob ihr wie ich den Konzertfilm als Souvenir für einen lautstarken, kraftvollen Abend in Ehren haltet:
Wer wenigstens für ein paar Zimmer-Scores Sympathien aufbringt, kann mit diesem Konzertfilm eigentlich kaum was falsch machen. Denn er bietet einen facettenreichen, Gänsehaut verursachenden, rockenden Querschnitt aus dem Schaffen des Oscar-Preisträgers. Der Konzertfilm umfasst etwa ausführliche Suiten mit denkwürdigen Melodien aus „Gladiator“, „Der König der Löwen“, der „The Dark Knight“-Trilogie, „Interstellar“, „Inception“ sowie der „Fluch der Karibik“-Saga.
Dass die Musik aus den Piratenfilmen mittlerweile so legendär ist, gleicht übrigens einem kleinen filmhistorischen Wunder. Denn beim Untermalen des ersten Teils hieß es voller Not: „Alle Mann an Deck!“
Schon gewusst? Die epische Filmmusik aus "Fluch der Karibik" war eigentlich nur eine hastige Notlösung!Darüber hinaus gibt es spaßige Medleys, wie eine Verschmelzung von Stücken aus „Miss Daisy und ihr Chauffeur“, „Sherlock Holmes“ und „Madagascar“ oder eine verwegene Kreuzung aus „Crimson Tide“-Kompositionen und einem der Tracks aus „Illuminati“. Und auch „Rain Man“ und „True Romance“ werden repräsentiert.
Abgerundet wird die Setlist mit „Man Of Steel“, „Der schmale Grat“ und „The Amazing Spider-Man 2“, einem megalomanischen Paradebeispiel für „Zimmer zimmert sich schelmisch etwas zusammen, um einem strauchelnden Film wenigstens irgendwas zu verleihen, das in Erinnerung bleibt“. Ein kontroverser Score, an dem zumindest ich diebische Freude habe. Ob das euren Lautsprechern oder den lieben Leuten von nebenan auch so ergeht, kann ich indes nicht garantieren.
Filmmusik trifft Rockkonzert: Viel hilft viel
In „Hans Zimmer Live“ werden die Stücke vom titelgebenden, deutschen Filmkomponisten gemeinsam mit einem 72-köpfigen Ensemble dargeboten, das unter anderem aus Mitgliedern des Czech National Symphony Orchestra, einem Chor, dem The-Smiths-Gitarristen Johnny Marr und der namhaften (E-)Cellistin Tina Guo besteht.
Inszeniert wurde der Konzertfilm von Tim Van Someren, der zudem mehrere „National Theatre Live“-Übertragungen verantwortete, und hier umfassende Impressionen des Gesamterlebnisses mit einem Blick für kleine, sympathische Interaktionen ausbalanciert, die man so im Saal kaum aufschnappen könnte. Etwa der Austausch eines vorfreudigen Grinsens, bevor eine Komposition klanglich explodiert, oder neckisch-alberne Gesten zwischen den Stücken.
Übrigens: Der Abschluss der „Hans Zimmer Live“-Setlist hat einen rührenden Hintergrund. Denn Zimmer beschloss, ein bewegendes Musikstück aus Christopher Nolans „Inception“ ans Ende des Konzerts zu stellen, um so einem Menschen Tribut zu zollen, dem er viel zu verdanken hat. Mehr dazu erfahrt ihr im folgenden Artikel:
"Ich werde dich nie vergessen": Aus diesem traurigen Grund ist die Musik aus Christopher Nolans "Inception" so bedeutungsvoll*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.