Ein wenig erinnerte die Ausgangslage an die Vorjahresausgabe in Venedig, als der künstlerische Favorit „Silent Friend“ und der politische Favorit „The Voice Of Hind Rajab“ als die großen Anwärter galten – und dann mit „Father Mother Sister Brother“ von Jim Jarmusch ein lachender Dritter den Goldenen Löwen gewann, auf den vorher wirklich niemand gewettet hatte. Aber während wir uns im vergangenen Jahr ganz klar auf die Seite von „Silent Friend“ geschlagen hätten, fällt die Entscheidung in diesem Jahr schwerer, denn es haben tatsächlich beide Favoriten die vollen 5 Sterne von FILMSTARTS bekommen:
„Possible Love“ ist das neue Werk von „Burning“-Mastermind Lee Chang-dong, den wir für den Macher der besten Netflix-Produktion aller Zeiten halten. Und dann gibt es da noch die Doku „NAZA“ über israelische Kriegsverbrechen in Gaza, die nach ihrer Premiere 24,5-minütige Standing Ovations erhalten hat – absoluter Rekord nicht nur in diesem Jahr, sondern in der kompletten 94-jährigen Festivalgeschichte!
Und der Goldene Löwe geht an:
Nachdem alle 21 Filme des Wettbewerbs der 83. Filmfestspiele von Venedig gezeigt wurden, musste sich die siebenköpfige Jury um Präsidentin Maggie Gyllenhaal („The Bride!“) also einmal mehr entscheiden, ob sie die Preise vornehmlich nach ästhetischen oder politischen Maßstäben vergeben möchte – und hat sich in diesem Jahr für die goldene Mitte und damit den dänischen Beitrag „Woman Unknown“ entschieden, der zugleich auch mit dem Preis für die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde.
Das Historien-Drama von May el-Toukhy spielt kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das ehemalige Kindermädchen Marie (Mathilde Arcel Fock) steht kurz davor, ihren Chef, einen reichen Industriellen, zu heiraten. Da wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt, denn während des Krieges hatte sie sich mit einem der deutschen Nazi-Besatzer eingelassen – und der dänische Widerstand macht nun Jagd auf alle Kollaborateur*innen der Kriegsjahre …
Die Übersicht über alle Preisträger
- Goldener Löwe für den besten Film: „Woman Unknown“
- Silberner Löwe – Großer Preis der Jury: „Possible Love“
- Silberner Löwe – Beste Regie: Ilya Khrzhanovsky für „DAU“
- Coppa Volpi – Beste Darstellerin: Mathilde Arcel für „Woman Unknown“
- Coppa Volpi – Bester Darsteller: John Malkovich für „Wild Horse Nine“
- Bestes Drehbuch: Stéphane Brizé, Coralie Amédéo & Olivier Gorce für „A Good Little Soldier“
- Spezialpreis der Jury: „NAZA“
- Marcello-Mastroianni-Preis für die beste schauspielerische Leistung einer Nachwuchsdarstellerin oder eines Nachwuchsdarstellers: Malou Khebizi für „15/18“
Der Venedig-Wettbewerb 2026
- „15/18“ von Cédric Kahn
- „A Bit Of Light“ von Ali Asgari
- „A Good Little Soldier“ von Stéphane Brizé (4 Sterne von FILMSTARTS)
- „Bucking Fastard“ von Werner Herzog (4 Sterne von FILMSTARTS)
- „Bunker“ von Florian Zeller (3 Sterne von FILMSTARTS)
- „Company“ von Casey Affleck (2 Sterne von FILMSTARTS)
- „DAU“ von Ilya Khrzhanovsky
- „The Echo Chamber“ von Andrea Pallaoro (2 Sterne von FILMSTARTS)
- „The Spiral“ von Paolo Strippoli
- „The Fire Within You“ von Edoardo De Angelis
- „Ink“ von Danny Boyle (4 Sterne von FILMSTARTS)
- „Woman Unknown“ von May el-Toukhy
- „Look Back“ von Hirokazu Koreeda (4 Sterne von FILMSTARTS)
- „Mr. Nelson, Did You Kill People?“ von Shinya Tsukamoto (4 Sterne von FILMSTARTS)
- „Naza“ von Yuval Abraham & Rachel Szor (5 Sterne von FILMSTARTS)
- „One Minute To Midnight“ von Nicolas Pariser
- „Possible Love“ von Lee Chang-dong (5 Sterne von FILMSTARTS)
- „Primetime“ von Lance Oppenheim (3,5 Sterne von FILMSTARTS)
- „Ritorno A Buenos Aires“ von Marco Bechis
- „It Will Happen Tonight“ von Nanni Moretti (4 Sterne von FILMSTARTS)
- „Wild Horse Nine“ von Martin McDonagh (4,5 Sterne von FILMSTARTS)
Aber nicht nur im Wettbewerb, auch in den sonstigen Sektionen gab es einiges zu entdecken. So stammt einer der besten Filme der wichtigsten Nebenreihe Orizzonti aus Deutschland: