24,5 Minuten Applaus haben am Ende doch nicht gereicht: Der Goldene Löwe geht 2026 an "Woman Unknown"

Nach elf Tagen ging das Venedig Filmfestival 2026 am Samstagabend mit der feierlichen Verleihung der Preise im Wettbewerb zu Ende. Der Gewinner des Goldenen Löwen ist dabei durchaus eine Überraschung – auch weil es noch einen zweiten Preis gab.

Nordisk Film Production A/S

Ein wenig erinnerte die Ausgangslage an die Vorjahresausgabe in Venedig, als der künstlerische Favorit „Silent Friend“ und der politische Favorit „The Voice Of Hind Rajab“ als die großen Anwärter galten – und dann mit „Father Mother Sister Brother“ von Jim Jarmusch ein lachender Dritter den Goldenen Löwen gewann, auf den vorher wirklich niemand gewettet hatte. Aber während wir uns im vergangenen Jahr ganz klar auf die Seite von „Silent Friend“ geschlagen hätten, fällt die Entscheidung in diesem Jahr schwerer, denn es haben tatsächlich beide Favoriten die vollen 5 Sterne von FILMSTARTS bekommen:

„Possible Love“ ist das neue Werk von „Burning“-Mastermind Lee Chang-dong, den wir für den Macher der besten Netflix-Produktion aller Zeiten halten. Und dann gibt es da noch die Doku „NAZA“ über israelische Kriegsverbrechen in Gaza, die nach ihrer Premiere 24,5-minütige Standing Ovations erhalten hat – absoluter Rekord nicht nur in diesem Jahr, sondern in der kompletten 94-jährigen Festivalgeschichte!

Und der Goldene Löwe geht an:

Nachdem alle 21 Filme des Wettbewerbs der 83. Filmfestspiele von Venedig gezeigt wurden, musste sich die siebenköpfige Jury um Präsidentin Maggie Gyllenhaal („The Bride!“) also einmal mehr entscheiden, ob sie die Preise vornehmlich nach ästhetischen oder politischen Maßstäben vergeben möchte – und hat sich in diesem Jahr für die goldene Mitte und damit den dänischen Beitrag „Woman Unknown“ entschieden, der zugleich auch mit dem Preis für die beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet wurde.

Das Historien-Drama von May el-Toukhy spielt kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Das ehemalige Kindermädchen Marie (Mathilde Arcel Fock) steht kurz davor, ihren Chef, einen reichen Industriellen, zu heiraten. Da wird sie von ihrer Vergangenheit eingeholt, denn während des Krieges hatte sie sich mit einem der deutschen Nazi-Besatzer eingelassen – und der dänische Widerstand macht nun Jagd auf alle Kollaborateur*innen der Kriegsjahre …

Die Übersicht über alle Preisträger

  • Goldener Löwe für den besten Film: „Woman Unknown
  • Silberner Löwe – Großer Preis der Jury: „Possible Love“
  • Silberner Löwe – Beste Regie: Ilya Khrzhanovsky für „DAU“
  • Coppa Volpi – Beste Darstellerin: Mathilde Arcel für „Woman Unknown“
  • Coppa Volpi – Bester Darsteller: John Malkovich für „Wild Horse Nine“
  • Bestes Drehbuch: Stéphane Brizé, Coralie Amédéo & Olivier Gorce für „A Good Little Soldier“
  • Spezialpreis der Jury: „NAZA“
  • Marcello-Mastroianni-Preis für die beste schauspielerische Leistung einer Nachwuchsdarstellerin oder eines Nachwuchsdarstellers: Malou Khebizi für „15/18“

Der Venedig-Wettbewerb 2026

Aber nicht nur im Wettbewerb, auch in den sonstigen Sektionen gab es einiges zu entdecken. So stammt einer der besten Filme der wichtigsten Nebenreihe Orizzonti aus Deutschland:

Oase
Oase
Von Jannis Lenz
Mit Florian Geißelmann, Anton Petzold, Mathilda Smidt
Starttermin 4. Februar 2027

Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.
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